Die etwas andere Stadtrundfahrt (Sonderfahrt mit der Oldtimer-Bahn)

Da sich in Chemnitz sehr viel verändert, wird diese Seite ständig aktualisiert, korrigiert, ergänzt und erweitert.

Geändert bzw. ergänzt am 05.03.2018 = Die geänderten Stellen werden kurzzeitig blau geschrieben!

 

  Einen wunderschönen guten Tag, liebe Fahrgäste. Ich darf Sie auf das herzlichste begrüßen und wünsche Ihnen eine angenehme Sonderfahrt durch Chemnitz mit der Oldtimer-Straßenbahn 801. Bevor wir die Fahrt beginnen, ein paar kurze Worte zu der Geschichte dieses Triebwagens und der Entwicklung der Chemnitzer Straßenbahn allgemein. Unser Triebwagen vom Typ ET 54 stammt aus dem Jahr 1956 und wurde in Gotha gebaut. Er fuhr hauptsächlich in Dresden im Linienverkehr, bevor er 1986 nach Karl-Marx-Stadt kam und dort im Winterdienst eingesetzt wurde. 1996 hat man ihn dann zum Partywagen umgebaut und seitdem wird er vorrangig zu Sonderfahrten eingesetzt. 2014 war eine große Hauptuntersuchung fällig und der Wagen wurde nach Güstrow zur OMSA gebracht. Nach dem vollständigen Um- und Ausbau, zum Schluss auch im Kappler Museum, startete er im Oktober 2017 wieder zu seiner ersten Sonderfahrt.

  Im Jahr 1880 fuhr zunächst eine Pferdebahn durch Chemnitz. Der englische Ingenieur Roebuck nahm als Spurbreite 3 engl. Fuß, und das waren eben leider nur 915 mm, einmalig in Deutschland! Nach der Elektrifizierung und einer Spur-Erweiterung auf  925 mm, fuhr  die letzte  Schmalspurbahn  noch  bis 1988 und wurde dann am 06. November eingestellt. Die Umspurung auf Regelspur 1435 mm erfolgte bereits ab 1960. Aber soweit in Kürze etwas zu diesem Thema, steigen wir nun in den bereit stehenden Wagen und beginnen unsere Rundfahrt durch Chemnitz.

 Die Fahrt vom Straßenbahndepot Kappel in Richtung Stadtzentrum führt uns zunächst  auf  einem  eigenen  Gleisabschnitt bis zur  "Kappler Drehe". Nach wenigen  Metern geht es vorbei am ehemaligen Klubhaus "Fritz-Heckert“, dem späteren "Kraftwerk". Erbaut 1886  war dieses Gebäude einst das Gasthaus "Colosseum", das bis 1901 zum Dorf Kappel gehörte. Der Verein "Volkshaus" erwarb 1904 das Objekt und errichtete daneben einen Neubau, der 1909 eröffnet und von der SPD und Gewerkschaften genutzt wurde. Nach 1945 diente das Haus "Einheit" dann als Klubhaus der Jugend und Sportler sowie u.a. als Trainingsstätte für das Ensemble Junger Talente sowie des Tanzkreises "Orchidee" der Tanzschule Köhler/Schimmel. Nach der Wende fanden noch zahlreiche Veranstaltungen statt, seit 2002 steht das Gebäude leer und wartet auf seine Wiederverwendung. 2012 wurde ein Teil des Gebäudekomplexes durch ein Feuer zerstört.

 Kurz bevor wir die Zwickauer Straße erreicht haben, sehen wir auf der rechten Seite eine 2014  neu  eröffnete Diner-Gaststätte, die nach amerikanischem Vorbild erbaut  wurde und sehr beliebt ist.

 Nun haben wir die so genannte "Kappler Drehe" erreicht, eine S-Kurve, die es so noch nicht immer gegeben hat. Bis zum Jahr 1812 ist  der  Straßenverkehr durch Kappel am Bachgrund verlaufen und mündete etwa in Höhe des heutigen Hauses 178 in die Zwickauer Straße. Der jetzige  Verlauf ist zur Zeit des Durchmarsches der französischen Truppen von Napoleon, auf ihrer Flucht westwärts, im März 1812 entstanden. Im Frühjahr war der  Bachgrund durch Hochwasser unpassierbar geworden und ca. 150 000 Soldaten, mit zahlreichen Geschützen und großem Wagenpark, haben sich über südlich vorhandene Fuß- und Feldwege einen neuen Weg gebahnt. Durch Anbau von Häusern in den nächsten Jahrzehnten entstand dadurch eine S-Kurve,  und  dabei ist es dann geblieben.

 Mittlerweile haben wir den  eigenen Streckenabschnitt verlassen und fahren  auf  die Zwickauer Straße.  Auf  der rechten Seite sehen  wir das neue Industriemuseum von Chemnitz.  In der ehemaligen Gießerei  Schubert & Salzer  (bis 1930)  bzw. der  späteren  Gießerei "Rudolf Harlaß" wurde 1982 die Produktion eingestellt und danach in einen Neubau nach Wittgensdorf verlagert. Lange Zeit stand das Gebäude leer und man hatte sich entschlossen,  es zu sprengen und abzureisen. Die Sprenglöcher waren schon gebohrt, als man an den  Wänden ein  Gemälde  entdeckte, welches  die  Arbeit der Gießer darstellte. Da man sowieso ein neues, größeres Gebäude  als  Industriemuseum suchte, beschlossen die Stadtväter,  diese ehemalige  Gießerei dazu  auszubauen. 2003 war  dann  die feierliche Übergabe. Die Sprenglöcher kann man auch heute noch im Dampfmaschinenraum sehen.

 Gegenüber dieser Gießerei befand sich einst die Göritz-Textilfabrik, später dann der VEB Strickmode Oberlungwitz "Sporett", Betriebsteil 4. Das Gebäude entstand im Jahr 1882 und beherbergte die Strumpfwarenfabrik Sigmund Göritz an der Zwickauer-, Ecke Ulmenstraße. 1911 errichtete man an der Zwickauer Straße einen 4-geschossigen Stahlbetonbau. Der   Firmensitz  wurde 1920  nach Berlin  verlegt.  Von  dem Architekten und Maler Prof. Hans Pölzig entworfen, entstand ein Erweiterungsbau. Im Volksmund hieß dieser dann nach der Fertigstellung 1926  "Pölzig-Areal". Nach 1937 verlässt die Familie Göritz Deutschland und der Betrieb wird in Venus-Werke umbenannt. Nach 1945 wurde es später der VEB „Trikotagenwerke Ideal“, bevor dann 1965 der VEB Strickmode Oberlungwitz "Sporett" einzog.  Produziert wurden vor allem Freizeit- und Bademoden. 1991 hat man die Produktion eingestellt. Nach vielen Jahren Leerstand auch des Erweiterungsbaus, eröffnete im Februar 2013 der Motorradhersteller Harley Davidson im Erdgeschoss und der Hälfte der 1. Etage seinen Verkauf, und in den anderen Räumen zog das Kunst- und Auktionshaus Heickmann ein.

 Wir fahren weiter in Richtung Stadtzentrum, vorbei an neu angesiedelten, kleineren Unternehmen.  Auf der linken Seite sieht man eine mittlerweile fertig aufgebaute ehemalige Altlutherische Dreieinigkeits-Holzkirche. Sie stand einst auf der Kaßbergstraße und diente als Notkirche für die bei der Bombardierung von Chemnitz abgebrannte Originalkirche. Sie wurde von amerikanischen Christen 1949 in Fertigteilbauweise geschenkt, während im Nachbargrundstück die zerstörte Kirche neu aufgebaut wurde. Bis zu deren Fertigstellung 1979 wurden die Gottesdienste in dem Holzbau abgehalten.  Danach stand dieser viele Jahre leer, sollte verkauft werden und die Holzteile wurden dann von 2009 bis 2012 eingelagert. 2014 baute der neue Besitzer die Kirche zu einem Restaurant um. Leider ist es mittlerweile geschlossen und man sucht einen neuen Besitzer.

 Weiter  geht  die  Fahrt in Richtung Falkeplatz.  Dabei  passieren wir das ehemalige Volkstheater "Metropol", in dem sich heute ein Kino gleichen Namens befindet. Es wurde 1913  als  Variete-Theater  eröffnet, war von 1928 bis 1929 Casino mit Tanz und Modeschauen und diente dann ab 1932 als Filmpalast. Es verfügte einst über 600 Sitzplätze. Heute dient es als "Billigkino" und es befinden sich außerdem noch sieben Wohnungen in dem Gebäude. Auf der gegenüber liegenden  Seite, an der Zwickauer Straße, stand  einst  das "Centraltheater", eine 1902 im Jugendstil  errichtete, sehr  beliebte Volksbühne. Es wurde allerdings leider beim Bombenangriff am 5. März 1945 so stark beschädigt, dass  es  abgerissen werden musste.

 Wir nähern uns nun immer mehr dem Falkeplatz. Zuvor jedoch fahren wir am  2007 neu eröffneten Museum Gunzenhauser vorbei. Dieses Museum  beherbergt Gemälde aus der privaten Kunstsammlung von Herrn Dr. Alfred Gunzenhauser aus München, welche er für eine  Dauerausstellung  der  Stadt  zur  Verfügung  stellte. Leider verstarb er im Jahr 2015.

 Die  legendäre Sammlung umfasst 2.459  Werke bedeutender Künstler des  20. Jahrhunderts, darunter die weltweit  größte  Sammlung  mit Werken von Otto Dix im öffentlichen Besitz sowie Arbeiten von Jawlensky, Kirchner, Beckmann, Schmidt-Rottluff, Baumeister und weiteren Künstlern. Das Gebäude selbst wurde 1930 als Hauptsitz der Sparkasse erbaut.

  Mittlerweile haben wir den Falkeplatz  erreicht.  Noch  um 1900 war dies die Nikolaibrücke,  eine  schmale Brücke, über die man in das Nikolaiviertel gelangte. 1912 begann man damit, diese Brücke zu verbreitern, um die Anbindung zum Stadtzentrum zu verbessern. Benannt wurde dieser Platz nach dem talentierten und erfolgreichen Kaufmann und Strumpfwarenfabrikanten Carl Bruno Falke. Als dieser 1907 verstarb, setzte ihm der Oberbürgermeister Dr. Beck mit der Namensgebung dieses Platzes ein Denkmal. Ab 1913 wurde außerdem der Chemnitzfluss auf eine Länge von 280 Meter  überdeckt. Ein Grund dafür war auch die starke Geruchsbelästigung durch den Fluss. Im Jahr 2008 hat man allerdings wieder damit  begonnen,  die Abdeckung  wegen  Baufälligkeit  zu  öffnen und den  Fluss freizulegen. 2011 war diese Arbeit weitestgehend beendet und der Fluss liegt seitdem wieder frei. Auf dem Platz daneben gibt es seit ein paar Jahren den "Uferstrand", wo man sich in den Sommermonaten kostenlos von der Sonne bräunen lassen kann, am Abend gibt es dann u.a. Open Air Kino. Aber auch das ganze Jahr über kann man Räume für Familienfeiern o.ä. buchen. Dabei stehen 3 Themenwelten zur Verfügung.

 1926 entstand das Gebäude der Deutschen Bank, welches als einziges  auf dem Falkeplatz den Bombenangriff  1945 überstanden hat und auch noch heute als Bank dient. Alle anderen Wohn- und Geschäftshäuser  wurden  zerstört oder so sehr beschädigt, dass die Ruinen nach und nach abgerissen  werden mussten. Zu DDR-Zeiten, ab 1951, hieß dieser Platz „Fritz-Heckert-Platz“, benannt nach einem Weggefährten von Ernst Thälmann. Er wurde  nach der Wende aber wieder zurück benannt in „Falkeplatz“. Im Hochhaus auf der linken Seite wohnte einst die Eiskunstläuferin Katharina  Witt. Das Cafe im ehemaligen Wartehäuschen entstand 2012 als Ersatz für den alten Standort am Johannisplatz.

 Wir biegen nun nach rechts in die ehemalige Otto-Grotewohl-Straße, der heutigen Bahnhofstraße ein und befahren einen Streckenabschnitt, auf welchem  bis zum  06. November 1988 die letzte Schmalspurstraßenbahn  gefahren ist. Es handelte sich dabei um die Linie 3, welche zu diesem Zeitpunkt nur noch zwischen Rottluff und Zentralhaltestelle pendelte. Nach der Einmündung Annaberger Straße haben wir das Stadtzentrum erreicht. Schon von weitem  sieht  man auf der rechten Seite das Bürgerverwaltungszentrum, welches auf dem ehemaligen Buswendeplatz des  VEB Nahverkehrs  Karl-Marx-Stadt steht und Bestandteil des Moritzhofgebäudes ist. Die Bauzeit dauerte von 1996 bis 1998. Inmitten der Bahnhofstraße befinden sich die zwei  Einfahrten zum Parkhochhaus „Galeria Kaufhof" und  zur Tiefgarage „Moritzhof“. Diese Einfahrten wurden so großzügig gebaut, dass sich der gesamte Lieferverkehr unterirdisch abwickeln kann.

 Wir  fahren  weiter,  neben der Bahnhofstraße entlang, und erreichen die Zentralhaltestelle, welche Ende 2017 umfassend ausgebaut wurde. Davon später mehr. Auf der  gegenüber liegenden Seite befindet sich das Kulturkaufhaus „Das Tietz“, welches  im Oktober 2004 eröffnet wurde. In  diesem ehemaligen  Kaufhaus befinden sich heute kulturelle  Einrichtungen,  sowie  Geschäfte und Gastronomie. So z.B. das Naturkundemuseum, die Stadtbibliothek, die Volkshochschule sowie die Sächsische Galerie. Das Interessanteste ist allerdings  der  neue  Standort  des  ca.  290-Millionen  Jahre alten "Steinernen Waldes", eines der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hierbei handelt es sich um verkieselte Baumstämme, welche 1737 bei Ausgrabungen im Ortsteil Hilbersdorf gefunden wurden. Seit Mai 2013 finden weitere Ausgrabungen in der Glockenstraße statt, zuvor auch schon ab  2008 an der Frankenberger Straße, die aber mittlerweile beendet sind.

 Das  Kaufhaus Tietz wurde am 23. Oktober 1913  eröffnet. Schon damals gehörte es zu den modernsten Gebäuden von Sachsen. Es war eines der ersten Stahlbetonbauten der Stadt Chemnitz. Vorher befand sich das Handelsunternehmen seit 1904 an der Inneren Johannisstraße, Ecke Poststraße. Der damalige Auftraggeber und Besitzer war Hermann Tietz. In den Jahren 1926/27 erfolgte eine bauliche Veränderung, da sich der Altbau als zu klein erwies. Der Architekt war Erich Basarke.  In  der Pogromnacht  1938 demolierten fanatisierte Nazi-Anhänger  das  Kaufhaus  und ermordeten den langjährigen Direktor Hermann Fürstenheim in seiner Wohnung auf dem Kaßberg. Bereits 1938 musste daher die Geschäftsleitung Konkurs anmelden. Durch den am 5. März 1945 erfolgten Bombenangriff wurde das Gebäude schwer beschädigt. Die Rekonstruktion des Hauses erfolgte ab 1958 und es wurde als HO-Centrum am 28. März 1963 wieder neu eröffnet. 1965 firmierte es mit dem Kaufhaus Schocken unter dem späteren Namen "Centrum-Warenhaus". 1991 übernahm die Kaufhof AG beide Gebäude, zog sich aber 2001 mit einem Neubau am Markt wieder zurück.

 Wir  verlassen  nun  die  Zentralhaltestelle  in  Richtung Brückenstraße. Auf der linken Seite befand sich einst der Beckerplatz, benannt nach dem Großindustriellen und Wohltäter dieser Stadt, Christian Gottfried Becker. Sein Denkmal auf diesem Platz wurde aus Anlass seines 100-sten Geburtstag geweiht, fiel aber in den Kriegsjahren einer Metallspende zum Opfer. Einzig erhaltenes Gebäude von diesem ehem. Platz  ist ein  wunder-schöner  Backsteinbau, in welchem sich einst die Dresdner Bank, später die Sparkasse befand. In diesem Haus war vorher der Chemnitzer Börsenverein untergebracht. Links daneben an der Poststraße entstand von 1889 bis 1891 das Stadthaus. Es war das zentral gelegenste Gebäude des Platzes und diente bereits ab 1857 als höhere Bürgerschule.

 Von 1879 bis 1911 wurde dieser Bau bis zur Weihung des neuen Rathauses am Markt auch vorübergehend als Rathaus genutzt. Genau an dieser Stelle stand vorher der alte Brettturm oder auch "Breite Turm", welcher bis 1889 als Pulverturm und Gefängnis genutzt wurde. In das Stadthaus zog 1911 das Polizeipräsidium. 2012 wurde das Gebäude  restauriert und in den oberen Etagen entstanden attraktive Wohnungen.  Jetzt überqueren wir die  Einfahrt  zum Johannisplatz.  Dieser war in den 1920er Jahren der verkehrsreichste Platz von Chemnitz. Täglich nutzten ihn zehntausende Chemnitzer, um in eine der Stra-ßenbahnlinien zu steigen. Am 1. August 1963 fuhr dann allerdings die letzte Straßenbahn über diesen Platz. In den 50er Jahren hieß er auch kurzzeitig Stalinplatz. Als die Ära Stalins  Geschichte war, erhielt er von 1967 - 2000 den Namen Posthof. Am 10. Mai 1953 fand hier im Beisein von Otto Grotewohl, Vorsitzender des  Ministerrates der DDR,  die  Umbenennung  der  Stadt  von Chemnitz  in  Karl-Marx-Stadt statt. Der  Johannisplatz wurde ab 2012 neu gestaltet und das einzige erhaltene ehemalige Bankgebäude wurde restauriert.

 Ebenfalls auf dem Johannisplatz befindet  sich  der  Saxonia-Brunnen. Teile des ehemaligen Saxonia-Brunnen, der einst auf dem Roßmarkt stand, wurden restauriert, erneut zu einem Brunnen zusammen gefügt und zieren seitdem den Platz. Die 3 Figuren Schmied, Spinnerin und Saxonia entstanden in einer polnischen Gießerei. Gönner und Großinvestor war und ist Herr Claus Kellnberger aus Regensburg, der schon u.a. die ERMAFA-Passage ausgebaut hatte. Der Brunnen bestand einst aus einem dreistufigen Sockel mit dem Brunnenbecken und dem hohen Postament mit der Bronzefigur Saxonia - die Beschützerin der Industrie und des Handels. Der Sockel besteht aus rotem schwedischen Granit. Spinnerin und Schmied, die beiden seitlichen Bronzeplastiken, symbolisieren die Textilindustrie und den Maschinenbau von Chemnitz. Von der Brunnenanlage, dessen Bronzefiguren 1941 einer Metallspende zum Opfer fielen, waren nur noch der Sockel und der Aufsatz erhalten geblieben. Die verbliebenen Steinelemente wurden auf städtischen Bauhof eingelagert. Die Bronzefiguren mit einem Gewicht von 2.410 Kilogramm wurden am 5. April 1941 zum Einschmelzen nach Breslau geschickt. Im Jahr 2011 ließ Investor Claus Kellnberger den Brunnen im Erzgebirge auf seine Kosten restaurieren und Anfang Juli auf  dem Johannisplatz  aufstellen.  Die Bronzefiguren wurden nach Vorlagen alter Fotos weitestgehend originalgetreu nachempfunden und am 11. Juli 2013 wieder auf dem Sockel aufgestellt. Am 14. Juli 2013 erfolgte die feierliche Einweihung. Der Brunnen besteht heute nur noch aus einem Sockel und der frühere Zaun wurde ganz weggelassen. Dadurch ist man in der Lage, an den Brunnen näher heranzutreten und ihn bewusster zu erleben. Die Figur der Saxonia ist erheblich kleiner als das Original, was ihrer Wirkung aber nicht schadet.

 Zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang auch ein Neubau, der nicht weit entfernt von der Brückenstraße entstanden ist und sich zwischen der Bahnhofsstraße und dem Dresdner Platz befindet. An dieser Stelle befand sich viele Jahre lang das so genannte "Conti-Loch". Die Bildzeitung schrieb damals: "Bislang waren alle Bemühungen gescheitert. Einst sollte dort ein Elektronik-Werk der Textima hin. Dann kam die Wende – Rohbau-Abriss 1994. Später wollte die Conti-Bau-GmbH dort ein Büro- und Dienstleistungszentrum errichten. Auch gescheitert.". Nach dem Abriss des Rohbaus blieb die ehemalige Baugrube, welche im Volksmund den Namen "Conti-Loch" erhielt, übrig. Auch Umweltschützer verhinderten dort einen Neubau, da sich nach Jahren eine seltene Pflanzen- und Tierwelt angesiedelt hatte. Im November 2017 war es aber dann doch soweit. Der schon erwähnte Herr Kellnberger lies an dieser Stelle  einen  großen,  modernen  Bürokomplex  entstehen, welcher u.a. das technische Rathaus sowie Geschäfte, Büros und Tiefgaragen beherbergt. Am 18. November durften auch die Chemnitzer Bürger  diesen  Neubau zum ersten Mal besichtigen. Aus der Straßenbahn heraus ist dieser Bau von der Haltestelle Stefan-Heym-Platz aus zu sehen.

 Nachdem wir die Haltestelle Brückenstraße erreicht haben, sehen wir auf  der gegenüber liegenden Straßenseite einen Parkplatz an der Einmündung der neuen Augustusburger Straße, gegenüber der Chemnitzer Stadtwerke. Hier, an dieser Stelle, zwischen der ehemaligen Einmündung Dresdner- und Augustusburger Straße stand bis 1975 der Sowjet-Pavillon, ein runder Flachbau, auf dessen Dach  ein großer, roter Stern angebracht war. Die Eröffnung fand am 20. Dezember 1952 statt, am Vortag zum 73. Geburtstag von Stalin. Er wurde durch Spendengelder erbaut und diente zu Beginn der Huldigung der Sowjetunion durch die Gesellschaft der Deutsch- sowjetischen Freundschaft. Nach Stalins Tod 1953 wurde er saniert und es gab Ausstellungen zu allgemeinen Themen. Ab 1968 wurde er zum Berufsberatungszentrum umfunktioniert und von 1972 bis zu seiner Sprengung 1975 blieb er ungenutzt. Vor diesem Pavillon zweigten  einst zwei Straßenbahnstrecken ab, nach rechts die Linie 1 nach Gablenz über die  Augustusburger Straße, und nach links über die Dresdner Straße die  Linie 7 zur Leninstraße bzw. die Linie 8 nach Ebersdorf.

 Weiter biegen wir nun nach  links  in  die  Brückenstraße ein, vorbei am ehemaligen Kaufhaus „Schocken“. Am 15. Mai 1930 eröffnet, war es bis dahin die größte Filiale des Kaufhauskonzerns „Schocken KG". Es war eines  der  modernsten Kaufhäuser von Deutschland. Die Kommanditgesellschaft auf Aktien zählte damals rund 1000 Mitarbeiter. Das Gebäude wurde nach Plänen des Stararchitekten Erich Mendelsohn in den Jahren 1929/1930 errichtet, der damit nach eigener Aussage seine reifste Leistung vollbrachte.

 Der  siebengeschossige  Eisenbeton-Etagenbau ist 34 Meter hoch, gekrümmt und horizontal  gegliedert. Die Obergeschosse treten zurück.  Für  3,5 Millionen  Mark  war ein attraktives  Kaufhaus  mit einer  Nutzfläche  von  15.000 Quadratmetern entstanden. Das Besondere neben der ungewöhnlichen Architektur waren Rolltreppen und Fahrstuhl. 1939 nannte sich das Kaufhaus  „Kaufstätte Merkur Chemnitz“. Mit seinem Warensortiment wurde „Schocken“ zu einem Einkaufsmagnet für die Chemnitzer. Bereits 1932 realisierte das Chemnitzer  Kaufhaus  einen Umsatz von  13.352.000  Mark. Als jüdisches Unternehmen war die Schocken KG mit der Errichtung der NS-Diktatur Anfeindungen und Drangsalierungen ausgesetzt. Es begann  mit  dem  Geschäftsboykott am 1. April 1933 und führte über die berüchtigten Nürnberger  Gesetze mit ihren drakonischen Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Juden im Jahre 1935 bis hin zum Pogrom der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938. Ab 9. Dezember 1938 firmiert das Unternehmen als Kaufstätte Merkur AG.

 Das durch Kriegseinwirkungen 1945 stark beschädigte Kaufhaus nahm  unmittelbar  nach  Kriegsende  seine  Tätigkeit mit 190 Mitarbeitern wieder auf. Nach dem Volksentscheid vom 30. Juni 1946 wurde  es  in  Landeseigentum  überführt und zunächst dem Konsum als Entschädigung für  Eigentumsverluste  durch die NS-Herrschaft übergeben. Vom 15. Januar 1947 bis März 1947  befand sich hier zudem eine Tauschzentrale der Volkssolidarität.  Am 15. November 1948 öffnete hier auch der erste „Freie Laden“ von Chemnitz  und  Umgebung,  in dem Waren ohne Lebensmittel oder Bekleidungs-Punktkarte zu be-trächtlich erhöhten Preisen erworben werden  konnten.  Nach  schritt-  und  Etagenweisen  Umbau  übernahm  1952  die  HO  das   Haus  und  firmierte sich 1965 mit dem ehemaligen Kaufhaus „Tietz“ zum „CENTRUM“-Warenhaus.  Seit 2009 wurde  dieses Gebäude restauriert und umgebaut. In ihm sollte ein archäologisches Museum für Frühgeschichte einziehen.  Im Mai 2014 fand die feierliche Einweihung statt. Vor diesem Gebäude befindet sich nun der Stefan-Heym-Platz, benannt nach einem Ehrenbürger dieser Stadt.

 Die Durchfahrt durch die Brückenstraße  mit der Straßenbahn ist seit 1997 wieder möglich.  Diese Straße hat eine wechselhafte Geschichte vorzuweisen, denn nicht  nur ihr Verlauf, sondern auch der Name wurde mehrmals geändert. 1965 erhielt sie den Namen „Karl-Marx-Allee“, hat aber nach der Wende ihren alten Namen zurückerhalten. In dieser Straße befindet sich u.a. auch das Redaktionsgebäude der "Freien Presse" sowie der "Chemnitzer Morgenpost".

 Wir fahren nun beim ehem. „McDonalds“ vorbei, welches Ende 2009 zur ZH umgesiedelt wurde.  Sehr  viele Bewohner dieser Stadt erinnern sich noch daran, dass sich einst zu DDR-Zeiten in diesem  Gebäude der IFA-Vertrieb, also das Autohaus von Karl-Marx-Stadt, befand. Hier konnte der mündige DDR-Bürger  seine Bestellung für einen PKW abgeben, hatte aber damit zu rechnen, 10 bis 15 Jahre auf die Auslieferung warten zu müssen.

 Nun verlassen wir die Brückenstraße und biegen nach links in die Fußgängerzone der Straße-der-Nationen ein. Vorbei geht es, wiederum auf der rechten Seite, an zwei markanten Gebäuden der Stadt, zum einen  die  Stadthalle und zum anderen das Hotel „Mercure" Letzteres wurde im Jahr 1974 eröffnet und hieß damals Hotel  „Kongress“. Mit  93 Metern und 29 Etagen ist es das höchste Wohngebäude dieser Stadt. 2018 erfolgte eine Übernahme durch die Dorint-Gesellschaft und es fanden zahlreiche Umbauten und Veränderungen statt. Nur die obersten 7 Etagen werden als Hotel genutzt,  das sind 101 Zimmer und Suiten, zuletzt waren es noch 300 Zimmer. Außerdem wurde das seit Mai 2014 geschlossene Panoramarestaurant mit der Jalta-Bar neu eröffnet, welches damals nur noch zur Frühstücksversorgung der Gäste genutzt wurde.

 Im gleichen Jahr, also 1974, entstand die Stadthalle, welche über einen großen Saal mit 1275 Sitzplätzen und einen kleinen Saal mit  670 Sitzplätzen verfügt. Die Chemnitzer Stadthalle wurde  vor  allem  durch zahlreiche Live-Übertragungen von  Unterhaltungssendungen im Fernsehen bekannt. Bei der  äußeren  Gestaltung dieser Gebäude gab der Architekt wahrscheinlich den Gebäuden ein symbolisches äußeres Aussehen. Dabei stellt das Hotel eine Zahnstange und die Stadthalle mit  ihrer sechseckigen Form eine Schraube dar, Bezug nehmend auf die Geschichte des Maschinenbaus der Stadt. Ob das so stimmt, kann vom Verfasser aber nicht belegt werden.

 Nach  wenigen Metern erreichen wir den „Roten Turm“. Vorher jedoch fahren wir über eine dunkel eingefärbte Pflasterreihe, welche vom Johannisplatz zum „Roten Turm“ führt. Diese stellt symbolisch den ehemaligen Verlauf der Stadtmauer dar. Diese Stadtmauer hatte einst eine Höhe von 6 m und war 1,5 m stark.

 Der „Rote Turm“ ist wohl das älteste Bauwerk im Stadtgebiet von Chemnitz und  dadurch auch gleichzeitig  das Wahrzeichen der Stadt. Urkundlich  zwar  erst 1466  zum ersten mal erwähnt, spricht einiges dafür, dass er bereits  um 1200, also  nur wenige Jahre nach der Stadtgründung  1165 (neu 1143)  errichtet  wurde. Der ca. 35 m hohe Turm  war  also Bestandteil  der  Stadtmauer  und  diente lange  Zeit  als Sitz der Gerichtsbarkeit, wurde aber eben schon vor dem Bau der Mauer errichtet.  Davon zeugt, dass die Stadtmauer später stumpf an dem Turm  angebaut wurde.  Er diente damals wahrscheinlich dem Vogt als Un-terkunft und war Bestandteil einer burgähnlichen Anlage. Danach wurde er bis ins 19. Jahrhundert auch  als Gefängnis  genutzt.  In ihm befanden sich 13 Zellen für 19 Gefangene. Seinen  Namen erhielt  er vermutlich wegen seiner Färbung, wodurch er sich von  den anderen  Befestigungstürmen unterschied. Im zweiten Weltkrieg war der Turm ausgebrannt. Er wurde aber von 1957 bis 1958 wieder aufgebaut und um ihn herum entstanden eingeschossige Anbauten mit dem Cafe Roter Turm sowie der Stadtinformation. Zurzeit wird daran gearbeitet, ihn zur Besichtigung  wieder  freizugeben. Hindernisse  dafür sind u.a. die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen sowie die Tatsache, dass sich nur max. 12 Personen  zur gleichen Zeit darin aufhalten dürfen. Gegenüber vom Roten Turm entstand 1968 das Gebäude der neuen Hauptpost. Heute befinden sich darin neben der Post auch zahlreiche Läden sowie Büroräume.

 Bevor wir die Zentralhaltestelle erreichen, sehen wir auf der rechten Seite das Einkaufszentrum  "Roter Turm"  sowie das alte und neue Rathaus mit dem Markt und dem Neumarkt. Das alte hölzerne Rathaus wurde im Jahr 1498 durch einen Neubau mit steinernem Umbau ersetzt. Dieses Gebäude, sowie der im Jahr 1486 erbaute Rathausturm wurden im 2. Weltkrieg fast komplett zerstört und bis 1950 wieder neu aufgebaut. Dieser Neubau entstand nun dreistöckig. Das neue Rathaus wurde von 1907 bis 1911 erbaut und am 2. September 2011 festlich eingeweiht. Bauherr war der damalige Stadtbaurat Richard Möbius. Der Neumarkt existierte nur ca. 120 Jahre und verschwand beim Wiederaufbau der Innenstadt nach 1945. Erst durch die Neugestaltung des Zentrums nach der Wende wurde er wieder zwischen Rathaus und Einkaufszentrum neu angelegt.

 Und ab hier erfolgte nun der Bauabschnitt Zentralhaltestelle, welcher im Frühjahr 2017 begann und  im Dezember 2017 beendet wurde. Um die  Überland-Bahn "City-Link", welche von  bzw. nach Burgstädt, Mittweida und Hainichen sowie später einmal nach Thalheim und Aue fährt, durch das  Zentrum der Stadt fahren zu lassen, benötigte man nicht nur ein zusätzliches Gleis in der Zentralhaltestelle, sondern auch zusätzliche, höher gelegene Haltestellen sowie ein neues Überfahrtsgleis über die Bahnhofsstraße.

 Außerdem gibt es mittlerweile seit dem 17. Dezember 2017 die neue Linie 3, welche  vom  Hauptbahnhof  über  die  Turnstraße  und  den Campus-Platz bis zur Wendeschleife Technopark fährt. Die Anbindung nach Aue ist dabei schon vorbereitet. Die Linie 6 nach Altchemnitz wurde im Dezember 2017 eingestellt und durch die Citybahn und eine Buslinie ersetzt. Die Haltestellen 3 und 4 an der Bahnhofstraße wurden auch umgebaut und im Januar 2018 frei gegeben.

 Nach  Durchfahrt der  Zentralhaltestelle geht es weiter nach rechts in Richtung Falkeplatz, um von da  aus  wiederum in Richtung Hutholz zu fahren. Vom Falkeplatz biegen wir nach links in die Stollberger Straße ein. Auf  der linken Seite,  in  der  Schadestraße, sehen wir die neue Feuerwache,  die  sich zuvor am Neumarkt befand. Nach Leipzig war sie die 2. besoldete Feuerwehr Deutschlands, mit 13 Feuer-wehrmännern und einen Brandmeister. Die Karrenspritze mit Leiterwagen, wurde von Hand gezogen.  Ab 1876 wurde sie systematisch zur Berufsfeuerwehr ausgebildet und zog 1906 in die von Richard Möbius erbaute neue Feuerwache in der Schadestraße. Bis zum Jahr 1913 wurden die Löschfahrzeuge  noch  von  Pferden  gezogen.  Dieses Gebäude ist  eines der  schönsten Zweckbauten von  Chemnitz, leider  aber auch  das  Tiefstgelegene der Stadt. Dadurch  passierte es schon einige mal, dass es bei Hochwasser als Erstes unter Wasser stand.  Gott sei Dank hat man aber  von einem deshalb geplanten Neubau auf dem Hartmannplatz Abstand genommen. Es wurde inzwischen viel für den Hochwasserschutz getan, so dass ein eventuelles neues Hochwasser nicht mehr solch einen Schaden wie z.B. 1954 oder 2010 anrichten kann. Mittlerweile umfasst der Fuhrpark über 100 Fahrzeuge,  dazu  gehört auch  die  SMH  (schnelle  medizinischen  Hilfe) mit ihren Einsatzfahrzeugen.

 Nun geht es  ein  ganzes  Stück  bergauf,  vorbei am damaligen Niklasberg.  Den Namen erhielt der Berg von einer Kapelle, die St. Nikolaus, dem Schutzpatronen der Fernhändler und Reisenden, geweiht war. Hier fand wahrscheinlich auch der allererste Markt statt, welcher mit Erlaubnis des Königs von den Händlern betrieben wurde. Dies ist aber nur eine Arbeitshypothese der Archäologen. Links sieht man die einstigen Aufgänge zur ehemaligen Nikolaikirche, welche ebenfalls im II. Weltkrieg zerstört und dann abgetragen wurde.

 Kurz danach, auf der selben Seite, steht ein Gebäude, welches  bis vor  kurzem noch das „Dorint“-Hotel beherbergte. Mittlerweile hat man es umgebaut und es befindet sich jetzt eine Senioren-Residenz darin.

 Die  Fahrt  geht weiter, über den inneren  Stadtring den Kapellenberg  hinauf.  Damit befahren wir den steilsten Abschnitt der Straßenbahn in Chemnitz mit max. 6,3 % Steigung. Zum Vergleich: Die  Kaßbergauffahrt  hatte  einst  an der Hohe Straße max.  6,4 % und die  Frankenberger Straße  am Hohlweg 6,5 %. Die Einmündung Frankenberger Straße / Lichtenauer Straße hatte immerhin 6,8 %.

 Vorbei geht es auch an der neuen Synagoge, welche 2002 geweiht wurde. Die alte  Synagoge befand sich auf dem Kaßberg am Stephanplatz und wurde in der Reichskristallnacht 1938 zerstört. Seit  dem  Falkeplatz fahren wir auf der Gleisanlage der Linie 4,  welche  am  20.03.2004 eröffnet wurde.  Die Bauzeit betrug über 12 Jahre. Der Grund dafür war,  dass  es Probleme  bei der Streckenführung  gab. Außerdem waren  Eigentumsverhältnisse von Grundstücken nicht geklärt. Wenn wir heute durch den geschützten Goetheplatz fahren, so war dies nicht immer so geplant. Eigentlich sollte die Strecke um den Platz herum geführt werden.  Aber u.a. aus Lärmschutzgründen  entschied man sich für die heutige, günstigere Variante.

 Nach der Durchfahrt des Platzes geht die Fahrt weiter, vorbei an sehr schön restaurierten Neubauten. Einst war die Stollberger  Straße eine der verkehrsreichsten Straßen dieser Stadt, aber seit dem Neubau der Straßenbahn fliest der größte Teil des  Straßenverkehrs Richtung Westen über die Zwickauer- und Neefestraße.

 Nicht  lange, und  wir  haben die Haltestelle  Haydnstraße erreicht. Auf der rechten Seite steht die 1963 in „Valentina-Tereschkowa-Oberschule“ umbenannte, ehemalige Polytechnische Oberschule, welche  2008 zum Teil geschlossen wurde. Hier wird nur noch bis zur 4. Klasse unterrichtet. Diese Schule wurde allerdings restauriert und vielleicht in absehbarer Zeit auf Grund von geburtenreichen Jahrgängen wieder erweitert. Übrigens - Valentina Tereschkowa war die erste Kosmonautin, die am 18. Oktober 1963 auch der Stadt Karl-Marx-Stadt einen Besuch abstattete.

 Auf der linken  Seite  taucht, versteckt hinter Bäumen, die „Esche-Villa“ auf. Sie  gehörte einst  dem  Textil-Fabrikanten Herbert Eugen Esche. Die Villa Esche in Chemnitz war  der erste  Bau, den der belgische Künstler und Architekt Henry van de Velde auf deutschem Boden  1902/1903 errichtete. Der Zeit des Jugendstils entsprechend, entwarf Henry  van de Velde  nicht  nur das Haus sondern auch den Park,  die  Inneneinrichtung, die  Möbel, das Geschirr und andere Gebrauchsgegenstände bis hin zur Pfeife des Bauherrn. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sind zwar Änderungen an dem Gebäude vorgenommen  worden, im Wesentlichen blieb es aber erhalten. Zunächst diente es den Sowjets als Kommandantur, wurde dann von der DDR-Staatssicherheit genutzt und  war  ab  den sechziger Jahren Schulungsstätte der Handwerkskammer. Nach der Wiedervereinigung wurde  die  Villa 1990 auf die Bundesdenkmalschutzliste gesetzt.  Die Stadt Chemnitz hat  die leer  stehende Villa Esche  1998  erworben  und  sie bis zum Mai 2001 einschließlich  der  Gartenanlage so  weit  wie möglich in den Originalzustand zurückversetzt.

 Und weiter führt uns unsere Sonderfahrt  in das  Neubaugebiet, bis zur Haltestelle „Irkutsker Straße“. Die  sich dort  befindliche Kaufhalle  wurde 1974 eröffnet. Sie  galt  als die größte  und  modernste des Bezirkes Karl-Marx-Stadt und das Architektur-Kollektiv erhielt  auch  später  für  diesen  Bau den  „Architekturpreis des Bezirkes Karl-Marx-Stadt“. Im Jahr  2011 wurde diese Kaufhalle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Sehr schön, dass dabei der Schriftzug der alten Kaufhalle Wiederverwendung fand! Allerdings mit großen Buchstaben, im Gegensatz zu der kleinen Schrift früher.

 Nun fahren wir an einer Straße vorbei, die den Namen „Am Flughafen“  trägt. Auch  die folgende  Haltestelle heißt so, benannt nach  der  Straße.  Ab  1926  befand  sich  hier wirklich einmal  ein Flughafen. Dort, wo heute ein Ärztehaus steht, war einst der Beginn der Start- und  Landebahn.  Der Flughafen  brachte  Chemnitz den direkten und indirekten Anschluss zu etwa achtzig Städten und Zentren in Deutschland und Europa.  Dazu  gehörten  auch  die Bäderlinien   nach  Karlsbad  und  Marienbad  sowie  der  Messe-Sonderflugverkehr. Nach  dem Krieg kamen dann die legendären Doppeldecker vom Typ „AN 2" zum  Einsatz, teils für Linienflüge, u.a. nach Erfurt, Prag und Barth, sowie zu Rundflügen über Karl-Marx-Stadt. Von 1963 bis 1974 verwendete die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) den  Flugplatz für  die  Sektionen   Segelflug,  Motorflug und  Fallschirmsport.  Ab 1975 wurde das Gelände mit Wohnhäusern für das  Neubaugebiet „Fritz Heckert“ bebaut. Stehen geblieben ist nur das ehemalige  Flughafengebäude,  an  welchem  wir gleich vorbeifahren werden. Gleichzeitig  mit  dem  Flughafengebäude  nahm auch das Restaurant „Ikarus“ den Betrieb auf. Der erste Pächter Ernst Böhm war ebenfalls der Besitzer vom „Marmor-Palast“ an  der Limbacher Straße.  Dieser wurde allerdings mittlerweile 2013 wegen Baufälligkeit abgerissen. Auf  unserer Weiterfahrt  entdecken  wir auf  beiden Seiten viele  freie Flächen, auf  denen  bis vor  kurzem  noch  Wohnblocks gestanden haben. Diese wurden „zurück gebaut“,  d.h. abgerissen. Von einst fast 100 000 Einwohnern, welche bis zur Wende  in  diesem  Neubaugebiet  wohnten,  werden in Zukunft nur noch ca. 45 000 Menschen wohnen.  Viele  bezeichnen  daher  dieses Wohngebiet als das Gebiet der „Warenhäuser“:  Da „waren Häuser“ und da "waren Häuser“ ... ! Im November 2015 verschwanden ca. 400 Laubbäume, zum größten Teil Pappeln, von den Straßenrändern, da sie nach 40 Jahren zum Teil eine Gefahr darstellten, zu eng gepflanzt waren und die Wurzeln nicht genügend Halt im Boden fanden. Sie wurden inzwischen durch ca. 90 Neupflanzungen ersetzt.  Wir überqueren nun die Stollberger Straße und fahren auf der anderen, linken Seite weiter, vorbei an einem 2013  neu  entstandenen  Einkaufszentrum.  Wenn  man nach  links schaut,  hat  man  einen sehr schönen Blick auf das  Vorerzgebirge. Genau  aus  diesem  Grund gab es  bis  vor  kurzem  hier auch  eine  Gaststätte  mit  dem  Namen  „Heiterer Blick“. Heute erinnert nur noch der gleiche Name der folgenden Haltestelle daran.

 Weiter geht es die Stollberger Straße entlang bis zur Haltestelle „Morgenleite“. Hier befindet sich eine Zwischenschleife der Straßenbahn, welche größtenteils nur noch von uns bei Sonderfahrten genutzt wird.  Einst war dies bis  1982 die Endstelle der Linie 5 welche 1979 eröffnet  wurde.  Später ging es dann 3 Haltestellen weiter  bis zur heutigen Endstelle Hutholz. Bevor  wir  die  Endstelle  erreichen,  fahren wir noch an der ehemaligen, so genannten „Stadtmauer“ vorbei,  ein  Wohnblock, welcher  einmal  330 m lang war. 2008 wurde ein Großteil von diesen  Wohnungen abgerissen  und von einst  26  Hauseingängen gibt es  nur  noch  6. Auf dem frei gewordenen Gelände entstehen zurzeit Einfamilienhäuser. Noch ein paar Meter, und wir haben den höchsten Punkt des Straßenbahnnetzes erreicht. Er liegt  ca. 100 Meter über der Zentralhaltestelle.

 Nun haben wir die Endstelle „Hutholz“ der Linien 4 und 5 erreicht. 2007  fand ein  umfassender Umbau dieser Endstelle statt. Dabei wurde  nicht  nur  die Wenderichtung  geändert (die Bahnen wenden jetzt in  Uhrzeigerrichtung), sondern es wurde dadurch auch die Möglichkeit geschaffen, zur Weiterfahrt auf kürzestem Weg in  den  Überland-Bus  umzusteigen.  Außerdem  entstand  ein neues Endstellengebäude mit Aufenthaltsraum, Toiletten und einer Verkaufseinrichtung.

 Nach einem  kurzen  Aufenthalt verlassen  wir  nun die Endstelle und fahren zurück zur Zentralhaltestelle.  Diesmal benutzen wir allerdings die Strecke der Linie 5 über die  Annaberger Straße. Erneut an der Morgenleithe angekommen, biegen wir nach rechts ab. Wir  befahren den  bis zum Neubau der Linie 4 steilsten Streckenabschnitt, der mit  5,7% zu Buche steht.  Auf  der linken Seite taucht das  1999  eröffnete  Einkaufs-Center "VITA" auf.  Es  sollte vor  allem  für die Bewohner des Wohngebietes und der näheren Umgebung da sein, da bis dahin alle  anderen  großen  Einkaufsmärkte auf der "grünen Wiese" errichtet wurden, so z.B. das Chemnitz-Center Röhrsdorf  und der Neefepark. An der nächsten Haltestelle „Robert-Siewert-Straße“  gab es für unsere Bahn eine Besonderheit, eine so genannte Zwangshaltestelle. Jede Bahn, die hier normalerweise  nicht  planmäßig  anhalten  musste,  hatte  kurz  zu stoppen. Der Fahrer überprüfte dadurch nach einer sehr langen Gefällestrecke und vor einer  fast  90 °-Kurve  die Funktionstüchtigkeit seiner Bremsen. War alles in  Ordnung, konnte er weiter fahren.

 Dieser  Zwangshalt  wurde 2008 aufgehoben. Nachdem wir damals also festgestellt hatten, dass alle Bremsen vorschriftsmäßig funktionierten, setzten wir unsere Sonderfahrt  fort.  Nach  dem  Passieren der scharfen Rechtskurve fahren wir nun direkt neben dem Südring entlang.  Diese  Autostraße  verbindet  z.Zt.  die  Neefe- bzw. Zwickauer Straße mit der Augustusburger Straße. Für die Zukunft ist geplant, diese Verbindung noch zu erweitern.

 Bevor wir nun die Annaberger Straße erreichen, geht es über eine Brücke, unter welcher der Chemnitzfluss fließt, sowie die ehemalige Eisenbahnstrecke nach Stollberg entlang führt. Diese  wird  allerdings nur noch für gelegentliche Güterzugfahrten genutzt, da es  ja mittlerweile die City-Bahn gibt. Aber darauf komme ich gleich zurück.

 Wir biegen nun auf  die  Annaberger Straße ein und fahren  zunächst  ein Stück stadtwärts. Vorbei geht es an der Michaeliskirche, welche zum Ortsteil  Altchemnitz  gehört, sowie am neu überholten Polizeirevier Süd. An der Scheffelstraße  angekommen, wenden wir über die Uhlestraße, um noch einen Abstecher zur Endstelle Altchemnitz zu machen. Diese ist soweit interessant, da dort die Überlandtrasse der City-Bahn beginnt.  Und das gibt  mir die Gelegenheit, etwas zum Thema City-Bahn zu erzählen.

 Am 15.12.2002  wurde  die  neue Pilotstrecke  der City-Bahn zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Stollberg in Betrieb genommen. Ohne Umsteigen können Fahrgäste  auf  dieser Strecke mit  modernen Niederflur-Variobahnen werktags aller 30 Minuten bequem ihr Ziel erreichen.  Dieses Chemnitzer  Modell  hat sich so sehr bewährt, dass sich eine Erweiterung geradezu anbot. Mit der geplanten Umgestaltung des Chemnitzer Hauptbahnhofes wurde ein weiterer Schritt zur  Umsetzung  des  Chemnitzer Modells anvisiert.

 Mittlerweile sind die Planungen soweit umgesetzt, dass nicht nur die Citybahn C11 sowie die Straßenbahnlinien 4 und 6 durch den Hauptbahnhof hindurch fahren, sondern nach Neukauf von 8 CityLinks (Zweisystemfahrzeuge aus Spanien) auch 3 neue Linien in Betrieb genommen werden konnten. Dabei handelt es sich um die Linien C14 nach Mittweida, C15 nach Hainichen und C13 nach Burgstädt. Die Endstelle in Chemnitz liegt z.Zt. am Stadlerplatz und wird systematisch ausgebaut und verlängert. Dazu fahren diese Bahnen dann auf dem Eisenbahngleis bis nach Thalheim. Diese CityLinks werden im Stadtgebiet durch die Oberleitung mit Strom  und außerhalb der Stadt durch einen Dieselmotor mit Fahrstrom versorgt. Über die Änderungen 2017 schreibe ich später.

 2010/11 hatte man mit dem Umbau des Hauptbahnhofs begonnen.  Außerdem wurde die Straßenbahntrasse auf der Straße-der-Nationen bis zur Einmündung der  Heinrich-Zille-Straße ausgebaut und biegt dort nach rechts in Richtung Hauptbahnhof ein. Die Durchfahrt durch die Georgstraße ist dadurch  weggefallen. Am 18.02. 2013 war dann die offizielle Eröffnung der Einfahrt in den hinteren Teil des Hauptbahnhofs und damit des ersten Teilabschnittes. Bis zur Fertigstellung mussten die Bahnen wieder rückwärts den Bahnhof verlassen. Die Eröffnung der Bahnhofsdurchfahrt erfolgte im Juni 2014. Mehr darüber, wenn wir durch den Hauptbahnhof fahren.

 Doch nun zurück zur Straßenbahnlinie nach  Altchemnitz.  Heute fährt  im Wechsel mit der City-Bahn die Linie 6 bis zur Endstelle. Doch  das war nicht immer so. 1904 endete hier die Linie A und ab 1927 die Linie 5 (ehem. A) und die  Linie 6 (ehem. Z). 1929 wurde dann  die  Linie  6 eingestellt. Ab 1959 begann man in Altchemnitz mit der Umspurung auf Regelspur. Das ging Etappenweise vor sich und die Fahrgäste mussten, um in die Stadt zu kommen, zweimal umsteigen. Es wurden die so genannten ABC Fahrscheine  eingeführt -  Fahrschein A für die  fertige  Regelspur, Fahrschein B für den Schienenersatzverkehr und  Fahrschein C für den letzten Abschnitt Schmalspurstrecke bis zur Poststraße. Gleichzeitig mit der Umspurung begann auch der Aus- und  Neubau  des Betriebshofes Altchemnitz,  später Bahnhof der DSF (Deutsch-Sowjetische-Freundschaft). Von 1976 bis 1979  fuhren die Linie 6  (von Gablenz)  und  die  Linie 5  (vom Hauptbahnhof) nach Altchemnitz, ab 1979 nur noch die Linie 6, da die Linie 5 von da an in das Wohngebiet Fritz-Heckert fuhr.

  Vorwegnehmend möchte ich an dieser Stelle schon einmal schreiben, dass am 10. Dezember 2017 die Linie 6 eingestellt und durch eine Busverbindung ersetzt wurde. Es fährt weiterhin die Citybahn im 30-Minuten-Abstand zum Hauptbahnhof. Aber davon später mehr.

 Jetzt genug der Zahlen. Fahren wir nun in Richtung Stadtzentrum.  Auf der rechten  Seite,  kurz  nach  der  Haltestelle „Schneeberger Straße“ sehen  wir das Einkaufszentrum „Altchemnitz-Center“.  Dies  war einst  das  erste Großobjekt in Chemnitz nach der Wende. Erneut  fahren  wir  über  die  Scheffelstraße und vorbei am  ehemaligen  Betriebshof   Altchemnitz. Hier  rückten  einst alle Regelspurfahrzeuge ein bzw. aus. Diese Anlage wurde 1900 angelegt, die alte Wagenhalle  (heute Selbsthilfe-Werkstatt)  hat man  1927 erbaut. Später wurde sie von 1963 bis 2000 als Buswerkstatt genutzt. Direkt an der Annaberger Straße befand sich die Wasch- und Werkstatthalle sowie Speisesaal, Verwaltung und Einsatzleitung.  Mit  dem Neubau des  Betriebshofes Adelsberg 1995  wurden Teile des Bahnhofs der DSF nach und nach stillgelegt bzw. Gebäudeteile  vermietet,  die Leitstelle zog auf die Werner-Seelenbinder-Straße (Busabstellplatz) und seit   2000  wurden die Abstellgleise nur noch in geringen Umfang als Abstellanlage genutzt.  2011  hat man 10 neue Abstellgleise  geschaffen, um damit die längeren Wege nach Adelsberg zu verringern.

 An der Haltestelle „Erdmannsdorfer Straße“ sehen wir auf der linken Seite  die  ehemalige Gießerei Richter. In diesem Gebäude befand sich nach der Wende eine Zeit  lang das Industriemuseum, bevor es aus Platzmangel  nach  Kappel  umgezogen ist.  Ein paar Meter weiter verfällt ein Gebäude,  in welchem  sich einmal  die sehr beliebte  Gaststätte  „Zum Forsthaus“  befand. Im Februar 2018 diskutierte man über einen evtl. Abriss. Mal sehen, was daraus wird.

 Nachdem  wir unter  der   Eisenbahnbrücke  der ehemaligen Strecke nach Stollberg hindurch  gefahren  sind, tauchen  auf  der linken  Seite  die Gebäude  der „Agentur für Arbeit“ auf. Das linke Gebäude wurde 1997 gebaut, erwies  sich aber  als zu klein. So entstand  1998 noch das  gegenüber liegende  Haus zusätzlich. Zuvor befand sich  das Arbeitsamt auf der Brückenstrasse links hinter dem Karl-Marx-Kopf.

Auf  unserer  weiteren Fahrt  kommen wir nun des Öfteren an ehemaligen  Fabrikgebäuden  vorbei,  in  welchen zu DDR-Zeiten tausende von Beschäftigten gearbeitet haben und die heute zum größten Teil stillgelegt  und dem Verfall preisgegeben sind oder in denen sich kleinere  Firmen  angesiedelt haben. So  z.B. der VEB Nadel- und Platinen-Fabrik, das Buchungsmaschinenwerk ASTRA sowie der VEB Spinnereimaschinenbau.

 Kurz bevor wir den 4-gleisigen  Eisenbahnviadukt durchfahren, sehen wir auf der rechten Seite  den  ehemaligen VEB  Wirkmaschinenbau, vorm. Schubert und Salzer. Dieser Betrieb  war  einer von  insgesamt fünf  Einzelwerken  der Firma. In  ihr wurden u.a. Schiffchenstickmaschinen,  Wirkmaschinen,  Tüllmaschinen  usw. hergestellt. Heute werden  die meisten Gebäude von den verschiedensten Unternehmen genutzt, angefangen vom Zahnarzt bis hin zum Steuerberater.

 Kommen wir nun  zu  der bereits erwähnten Brücke. Die  „Apollo-Brücke“  ist der längste Eisenbahnviadukt von  Chemnitz mit einer Länge von ca. 200 m. Sie wurde von 1906 bis 1909 erbaut und ist für 4  Gleise ausgelegt, allerdings sind z.Zt. nur 2 Gleise vorhanden. Da dieser Viadukt unter  Denkmalschutz steht, waren in den letzten Jahren verschiedene Projekte im Gespräch - man wollte u.a. die  Brücke  durch einen  Betonneubau ersetzen, eine Restaurierung  war und ist  z.Zt. aber auch im Gespräch. Egal, wofür man sich auch entscheidet,  die Zeit drängt,  denn die Züge dürfen aus Sicherheitsgründen  im Moment nur mit verminderter  Geschwindigkeit über diese Brücke fahren. Eine Bürgerinitiative kämpft dabei um den Erhalt der Brücke, während die DB einen Neubau anstrebt.

 Wir überqueren mittlerweile bereits zum dritten mal den inneren Stadtring. Da wir so wie die Linie 5 fahren wollen, biegen wir nach rechts in die Annenstraße ein. Gegenüber der Annenschule befinden sich, ebenso wie in der Reitbahn-, Bernsdorfer und  Moritzstraße, die  ersten  Nachkriegs-Neubauten.  Nach  ersten  Probebauten an der Heinrich-Schütz-Straße wurden diese Häuser aus Materialmangel  in  der so genannten Gewölbetechnik erbaut, d.h.,  da  es keine  Träger, weder aus Holz, Stahl noch Beton gab, griff man auf diese Bauweise  der  selbsttragenden Decken zurück. Diese Methode kam ab 1948 bzw. 1950 zum Einsatz. Auch heute befinden sich diese damals heiß  begehrten  Wohnungen noch in diesem Zustand. Wir  fahren nun durch  die  Reitbahnstraße in Richtung Zentralhaltestelle, vorbei an nur noch  wenigen Geschäften, die eine lange Tradition  aufzuweisen haben. Zu erwähnen wären da die Buchhandlung Müller, der „Hut Förster“  und  der  „Farben-März“. Außerdem befand sich zu DDR-Zeiten auf der  rechten  Seite  ein Geschäft für Heimwerkerbedarf, der so genannte „Schlauch“. Zur Zeit der  Umspurung um 1967 führten einst 4 Gleise nebeneinander durch diese Straße. 2 Gleise gehörten der  Schmalspurbahn nach Bernsdorf und 2 der Regelspur  nach Altchemnitz. 1968  begann die Umspurung  der Linien 3 und 4 und nach Bernsdorf wurde Schienenersatzverkehr  eingesetzt.  Aber darauf komme  ich  später zurück.  Zunächst  fahren  wir  erst  einmal  durch  das Stadtzentrum in Richtung Hauptbahnhof.

 Von der  Brückenstraße  biegen  wir  diesmal  nach  rechts  in die Straße-der-Nationen ein. Vorbei geht es an zahlreichen, nach dem Krieg entstandenen Wohnhäusern und Läden. Diese entstanden in der so genannten Kammbauweise – die Wohnbauten sind  die Zinken und die  Geschäfte der Steg des Kammes. Die Vorbilder dazu stammen aus Frankfurt am Main.  Alle  noch  erhaltenen  Altbauten   der  ehemaligen  Königstraße mussten nach dem Krieg  diesen Neubauten  weichen.  Viele  ältere  Einwohner  von Chemnitz er-innern sich dabei sicherlich noch an solche Einrichtungen wie das Zeitkino, das  „Cafe Michaelis“ sowie das „Hotel Herrmann“. Heute stehen dort solche markanten Gebäude wie das  „Hotel an der Oper“ (ehem. Interhotel „Moskau“) und die IHK. In der Tat reihten sich bis 1945 Geschäft an Geschäft, teilweise bis in die oberen Etagen. 1945 wurden die Gebäude der Königstraße stark in Mitleidenschaft gezogen, es blieb kein Haus unversehrt. Im September 1945 wurde sie dann im Gedenken an die Opfer der Nationen in "Straße der Nationen" umbenannt.

 Wir biegen nach rechts ab in die Carolastraße. Auf  der linken Seite  steht ein  einstöckiger Bau, in welchem sich vor der Wende das „Gastmahl des Meeres“  sowie  ein  Delikat-Geschäft  befanden. In solchen  Läden  konnte  der  DDR-Bürger für viel Geld Lebensmittel kaufen, die er in anderen Läden nicht oder nicht in dieser Qualität  erhalten hat. Nur wenige Meter weiter auf der rechten Seite steht das Medien-Haus,  in dem sich die Rundfunk- und Fernseh-Regionalsenderstudios befinden. Einst  war  in  diesem  Gebäude die Handelskammer untergebracht, erbaut wurde es 1912 nach Plänen von  Erich Basarke.

 Schräg gegenüber steht ein Eckhaus, im Neogotischen Stil erbaut. Dieses Gebäude  war einst die „Zimmermann'sche Villa“. Der Chemnitzer Unternehmer  Joh. Zimmermann  ließ 1866 dieses Gebäude  am  Hauptbahnhof  mit  dem  Hintergedanken  errichten, es  dem damaligen  König  von  Sachsen, König Albert, als Geschenk zu  machen. Auch wenn er sich nur  zeitweise in Chemnitz aufgehalten hätte, wäre dadurch vielleicht die Wirtschaft und der Tourismus angekurbelt worden. Als der König allerdings dankend  ablehnte, nutzte Herr  Zimmermann diese Villa für sich und seine Familie. Nachdem ein Anbau dieses Gebäude erweiterte, zog das „Hotel Carola“ 1884 in dieses Gebäude ein. Nach dem Krieg war die sowjetische Militärkommandantur darin untergebracht, bevor es wieder Hotel wurde. 1988 wurde es dann geschlossen und war viele Jahre dem Verfall preisgegeben. Heute wurde mittlerweile der Anbau  weggerissen und die Villa selbst restauriert. Anfang Dezember  2008  eröffnete  dieses  Gebäude  wieder  seine Pforten, nachdem es aufwändig  restauriert wurde. Seitdem wechselte der Besitzer mehrmals. Übrigens - im Keller des Gebäudes befand sich einst viele Jahre lang die gut besuchte Gaststätte „Zum Goldbroiler“.

 Und  schon  sind  wir an dem neu gebauten  Bahnhofsvorplatz  angekommen,  welcher 2006 freigegeben wurde.  Auf der rechten Seite des Platzes befand sich einst der erste Bahnhof von Chemnitz aus dem Jahr 1854.  Die Eröffnung der Strecke Riesa - Chemnitz fand allerdings schon im Jahr 1852 statt.  Der  neue  Hauptbahnhof  mit  Lichthof wurde 1872 eröffnet. Das jetzige Aussehen erhielt der  Bahnhof 1975. Gegenüber vom  Lichthof  an der Bahnhofstraße sind noch zwei Gebäude zu  erwähnen:  Das ehemalige Haus der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft (DSF) und das ehemalige Hotel  Continental. Ersteres wird  u.a. als Gästehaus der  TU genutzt und das „Continental“  erfuhr 1996 einen fast kompletten Um-  bzw. Neubau. Lediglich der „Spiegelsaal“ blieb original erhalten und dient heute als Gaststätte mit Kabarett - das „Fresstheater“.

 Bis 2011 führte  uns der  Weg zurück  zur Zentralhaltestelle um das Hauptgebäude der Technischen  Universität  von  Chemnitz herum. Die Universität ist historisch aus der 1836 gegründeten „Gewerbeschule“ hervorgegangen. Der Bau an der Straße-der-Nationen wurde  von 1875 bis 1877 errichtet, der Architekt war Eduard  Theodor Böttcher. Früher hieß diese Einrichtung  zunächst „Technische   Staatslehranstalt“,  ab 1953  „Technische Hochschule“  und  ab 1986 „Technische Universität“.

 Wie schon erwähnt, können wir seit dem Juni 2014 von beiden Seiten direkt in den Hauptbahnhof hinein fahren. Dabei benutzen wir das Gleis 2, welches von der Linie 6 (mittlerweile eingestellt) bzw. von der Linie C11 (Citybahn Stollberg) befahren wird. In entgegen gesetzter Richtung auf Gleis 1 kommt uns eine Bahn der Linie 4 entgegen. Rechts neben uns liegen die Gleise 3 und 4, auf denen die Citybahnen aus Richtung Burgstädt, Mittweida bzw. Hainichen ankommen. Dabei kommen neu angeschaffte Hybrid-Citylink-Bahnen zum Einsatz. Diese fahren ebenso wie die neue Linie 3 mittlerweile seit dem 10. Dezember 2017 durch das Stadtzentrum, bis zur Wendeschleife Technopark.

 Nach einem kurzen Halt geht die Fahrt wieder im hinteren Teil aus dem Hauptbahnhof hinaus, von wo aus wir dann  nach links auf die Straße-der-Nationen und dann zurück ins Stadtzentrum fahren.

 Auf der rechten Seite sehen wir die 1858 entstandene, ehemalige Aktienspinnerei. 1860 hat man die Produktion aufgenommen. Das Garn wurde damals auf über 60 000 Spindeln gesponnen, welche von Dampfmaschinen  der Maschinenfabrik Augsburg, später von der  Maschinenbaufabrik  Richard  Hartmann  aus  Chemnitz angetrieben wurden. Durch die steigende Produktion machte sich eine Umsiedlung notwendig. Um Kosten zu sparen, erfolgte der Umzug nach Altchemnitz in die Schulstraße im relativ langen Zeitraum von 1895 bis 1906. Bereits 1904 wurde die Aktienspinnerei an die Stadt verkauft und 1948 verstaatlicht. Das Gebäude diente viele Jahrzehnte lang als Interims-Opernhaus, als Kaufhaus "Glück auf" sowie als Stadtbücherei und Puppentheater. Es entstand der VEB Baumwollspinnerei Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt. Ein erneuter Umzug fand 1990 in den Europark an der Schulstraße statt. Dieses Gebäude wird z.Zt. umgebaut, es entstehen Einrichtungen der TU Chemnitz.

 Weiter geht  unsere Sonderfahrt, vorbei am 1968 eröffneten Omnibusbahnhof und am 1860  angelegten  Schillerplatz. Der Omnibusbahnhof galt einst als modernster von Europa. Ausschlaggebend war u.a. die spektakuläre Dachkonstruktion. Modern war nicht nur die Architektur mit Pylonendach, sondern auch die Steuer- und Signalanlage, welche u.a. die Ankunfts- und Abfahrzeiten anzeigte. Die gewölbten Dächer wurden 30 Jahre nach Eröffnung durch ein flaches Glasdach ersetzt. Die geplante Umsetzung des Omnibusbahnhofs auf den Vorplatz des Hauptbahnhofes scheiterte allerdings bei Verhandlungen im Jahr 2017.

 Danach kommen wir nun am wohl attraktivsten Platz der Stadt vorbei,  dem  Theaterplatz. Eingerahmt wird er von vier markanten Gebäuden - das  Hotel  „Chemnitzer Hof“,  die Petrikirche aus dem Jahr 1888, das  König-Albert-Museum,  in  welchem  sich die Chemnitzer  Kunstsammlung  befindet,  sowie das Chemnitzer Opernhaus. An der Stelle, wo 1930  das  Hotel  errichtet wurde, befand sich bis dahin  ein Brunnen mit  den  aus Dresden stammenden Original Sandsteinfiguren  „Die vier Tageszeiten“.   Die nach dem Bildhauer Johannes Schilling benannten "Schillingschen Figuren" konnte die Stadt, an ihrer Spitze der damalige Oberbürgermeister Dr. Beck, fast kostenlos erwerben, sie musste nur die Hälfte des Transportes zum Dresdner Bahnhof sowie den nach Chemnitz übernehmen. Diese Figuren  haben  heute seit 1936 in den Parkanlagen  des Schlossteiches einen neuen Platz bekommen. Die Bronze-Abgüsse  der Originale befinden sich an den Brühlschen  Terrassen in Dresden. Das  Museum  und  das Opernhaus wurden  von 1906 bis 1909 nach  Plänen des damaligen Stadtbaurates Richard Möbius errichtet. 1945 wurden die beiden Gebäude fast vollständig zerstört, aber bereits 1951 fand die feierliche Wiedereröffnung des Opernhauses statt. Nur kurze Zeit darauf konnte  auch  das Museum wieder  besucht  werden, an dessen Vorderfront  sich der  „steinerne Wald“  befand.  Dieser  wiederum  hat  seit  2006 einen  neuen  Standort  im  Kulturkaufhaus „DasTietz“  an der Bahnhofstraße bekommen. Der älteste und erste Bau am damaligen Königsplatz war jedoch die Petrikirche. Sie wurde  im  Jahr 1888  geweiht,  verfügt  über 1200 Sitzplätze und hat einen 82 Meter  hohen Hauptturm.

 Die Fahrt führt uns nun weiter und wir sehen rechts in der Brückenstraße das  Karl-Marx-Monument.  Dieses  Denkmal  wurde von Lew Kerbel entworfen und in der Kunstgießerei in Leningrad in Bronze gegossen. Danach  zerlegte man es in 95 Einzelteile zum Transport nach Karl-Marx-Stadt. (Übrigens - die Stadt Chemnitz wurde am 10. Mai 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt). Diese Teile wurden durch den VEB Germania wieder zusammengefügt und am 09. Oktober 1971 fand die feierliche Einweihung vor rund 250 000 Menschen statt.  Der  Kopf, im Volksmund auch "Nischel" genannt, ist 7,10 m hoch und wiegt ca. 40 Tonnen. Gleichzeitig entstand  hinter  dem Denkmal das Gebäude der  SED-Bezirksleitung, dessen Zick-Zack-Bau im Volksmund "Parteisäge" genannt wurde. Außerdem befindet sich an der Gebäudefront direkt hinter dem Denkmal die Inschrift  „Proletarier aller  Länder, vereinigt Euch“ in den Sprachen deutsch, englisch, französisch und russisch. Die Schrift symbolisiert eine wehende Fahne. Nach der Wende befand sich vorübergehend das Arbeitsamt darin, heute ist dieses Haus Sitz der Oberfinanz-Direktion.

 Von hier an geht es nun landwärts in Richtung Gablenz weiter. Dabei benutzen  wir einen Streckenabschnitt, der als Regelspur am 30.10. 1976  in Betrieb  genommen  wurde.  Bereits im April war die Schmalspurstrecke zur Eubaer Straße stillgelegt und durch Schienenersatzverkehr befahren worden. Während die Schmalspurbahn direkt auf der teilweise sehr  schmalen  Augustusburger  Straße  fuhr,  erhielt  die  neue  Strecke  einen   eigenen Gleiskörper, wodurch zahlreiche Häuser weichen mussten. Zu Beginn fuhr die Linie 6  nur bis  zur  Wendeschleife  Hans-Beimler-Straße,  später  dann  ab 1978 bis zur neuen  Endstelle Carl-von-Ossietzky-Straße.

 Wir überqueren die Bahnhofstraße und fahren vorbei am Gebäude der Stadtwerke AG "eins-energie in Sachsen". Bevor wir erneut den  Eisenbahnviadukt durchfahren, den wir bereits zweimal gekreuzt haben, sehen wir links ein Gebäude, in welchem sich bis 1945 das Kino "Lichtburg" befand. Direkt daneben das "Haus der Gewerkschaften". Kurz danach, ebenfalls auf der linken Seite, stand einst seit 1865 die Gaststätte "Pferde-Hofmann", welche sich heute an der Einmündung Eubaer Straße befindet,  der  ehemaligen Endstelle der Linie 1. An der nächsten Haltestelle „Tschaikowskistraße“ stand bis 1975 das Kino „Weiße Wand“.  Auch dieses musste der neuen Trasse weichen, war aber nach 1945 sowieso nur ein  Provisorium. Es geht nun weiter über die Clausstraße  bis zur Haltestelle  „Reineckerstraße“,  benannt nach dem Besitzer eines Großbetriebes  für  Maschinenbau,  der bis  1945 in diesem  Bereich seinen Standort hatte, aber durch gezielte Bombentreffer 1945 zerstört wurde. Da er nach dem  2. Weltkrieg 2000 Maschinen an die Sowjetunion  als  Reparation  abgeben  musste, konnte er die Produktion nicht wieder aufnehmen.

 Erneut  taucht  auf  der linken Seite ein ehemaliges Kino auf. Das „Weltecho“ wurde nach der Wende  geschlossen und nach vielen Jahren Umbau als christlicher Jugendclub „Arche“ wieder eröffnet.

 Nachdem wir die Geibelstraße überquert haben, sehen wir in der ehem.  Wendeschleife ein  Gleichrichter-Unterwerk, welches den Fahrstrom  liefert.  Hier  werden  10 000  Volt Wechselstrom in 600 Volt Gleichstrom  umgewandelt und in  die  Fahrleitung  eingespeist. Es gibt  insgesamt 17 solcher Unterwerke in Chemnitz. Das bedeutet, dass bei einer evtl. Störung  in  einem  bestimmten Streckenabschnitt in den anderen Bereichen weitergefahren werden kann.

 Nicht mehr lange, und  wir haben die Endstelle erreicht. Zuvor jedoch fahren wir noch am Pappelhain vorbei, eine Grünanlage, welche der Haltestelle und  einer  ehem. Gaststätte den gleichen Namen gegeben hat. Mittlerweile jedoch gibt es weder die Gaststätte noch Pappeln auf dem Gelände.  Nach dem Krieg wurde dort  der Schutt  der  Reineckerwerke  aufgebracht  und  Pappeln  darauf gepflanzt. Vor wenigen Jahren erkrankten leider  diese Bäume und mussten  alle  gefällt  werden. Der Name  „Pappelhain“  blieb  aber weiterhin erhalten.

 Endstelle  Carl-von-Ossietzky-Straße. Hier wenden die Linien-Bahnen und fahren zurück ins Stadtzentrum. Wir allerdings nicht, denn wir wollen die Gelegenheit nutzen, den Betriebshof Adelsberg zu besichtigen.

 Am 17.12 1993 fand in Adelsberg der symbolische Baggeraushub durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Seifert statt und die Grundsteinlegung am 24.06.1994. Damit war  der Weg frei, um einen der modernsten Betriebshöfe  für  Schienenfahrzeuge entstehen zu lassen. Ein gutes Management, und wohl organisierte Zusammenarbeit aller beteiligten  Unternehmen machten bereits im September 1995  das neue Objekt nutzungsfähig.

 Die  Idee  zu  diesem  Betriebshof  entstand  schon  in  den 70er Jahren. Dies war insofern notwendig,  da  die  Kapazität  des  einzigen  Betriebshofes  in  Altchemnitz  schon bald  überschritten war. Streckenneubauten und Aufstockung des  Fahrzeugparks verschärften  die  Situation, aber es dauerte trotzdem noch bis 1986, bis  ein  neuer  Entwurf für einen Betriebshof entstand. Nach der politischen  Wende  entschied  sich  der  Vorstand  der  CVAG   zu einer Komplexlösung, d.h. Hauptsitz  des  Unternehmens,  Schwerpunktwerkstatt  und  Betriebshof  an  einem Ort unterzubringen. Hier liefen dann auch die Neubauarbeiten für die Wartungshallen der "CityLink"-Bahn, welche 2017 abgeschlossen waren.

Der Betriebshof umfasst zur Zeit (2018) folgende Bereiche:

  - Sozial- und Verwaltungskomplex

  - Hauptwerkstatt

  - Betriebswerkstatt

  - Abstellhalle

  - Stromversorgung Gleisanlage

  - Unterflurradsatzprofiliermaschine

  - Waschanlage

  - Anlagen CityLink

Die  Betriebshofsteuerung  (Einsatzleiter)  befindet sich  mittlerweile  auf der Werner-Seelenbinder-Straße.

 Nun verlassen wir Gablenz und wollen von hier aus nach  Bernsdorf  fahren.  Da die Strecke  bis zur Zentralhaltestelle ja schon bekannt ist, können wir die Fahrt in Ruhe genießen. Ab der Haltestelle „Annenstraße“ geht es nun in Richtung Bernsdorf.  Ab 1893 fuhren  die  Schmalspurbahnen  bis zum  Rosenplatz, ab  1894  bis  zur Wartburgstraße. 1958  wurde an der Ulbrichtstraße ein Wendedreieck  eingerichtet. Noch heute  liegt  daher  in dieser Straße ein Stück  Schmalspurgleis.  Ab  Ende  1968   begann  man  mit der Umspurung und es wurde Schienenersatzverkehr  eingerichtet. Der Regelspurbetrieb wurde 1972 aufgenommen.  Zunächst  ging  es aber nur bis zur Wartburgstraße.  Das änderte  sich 1973, als die Strecke bis Sommerbad  Bernsdorf verlängert wurde.  Ab sofort fuhr hier die Linie 2 und es kamen erstmals  die neu  gelieferten Tatra-Beiwagen  am Großzug  zum  Einsatz. 

 Nachdem wir die Gustav-Freytag-Straße   überquert   haben,  sehen  wir  vor  uns  erneut  den Eisenbahnviadukt,  den  wir schon mehrmals durchfahren haben.  Diese  Brücke wurde 1972 im Zusammenhang mit der Neutrassierung  der Straßenbahn  neu  errichtet,  da  die Durchfahrtshöhe nicht ausreichte.  Dies  war das  einzige mal,  dass so etwas gemacht wurde,  denn sonst musste sich immer die Straßenbahntrasse dieser Höhe anpassen. Seit 2017 biegt nach der Brücke die City-Link-Bahn und die neue Linie 3 nach rechts in die Turnstraße in Richtung Reichenhainer Straße ab. Darüber wurde ja bereits berichtet.

 Wir  fahren aber weiter über die Lutherstraße und sehen auf der der  linken  Seite den Rosenplatz und im Hintergrund die Lutherkirche, welche 1908  geweiht wurde. Auf dem Rosenplatz befindet sich  ein ehemaliger Bunker der Zivilverteidigung, der als Kneipe genutzt wurde.

 Seit der Überfahrt Lutherstraße bis  zum  Goethe-Gymnasium gibt es eine Besonderheit im Streckennetz - die Straßenbahn hat keinen eigenen Gleiskörper und fährt mit den an- deren Verkehrsteilnehmern im gleichen Niveau. An der Ecke der  Kreuzung Bernsdorfer- / Wartburgstraße gab es  einst  die Gaststätte „Barsika“, im Volksmund auch „Zur Träne“ bzw. „Erbschleichercasino“ genannt. Diese Bezeichnung kam daher,  da sich in unmittelbarer Nähe der Zentralfriedhof befindet und die Hinterbliebenen  sich  nach dem Trauer-zeremoniell  in dieser Gaststätte getroffen haben.

 Erneut auf der rechten Seite fahren wir an der Zwischenschleife mit einem  Gleichrichter-Unterwerk vorbei. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Park der DSF, der 1965 anlässlich  der  800-Jahrfeier von  Chemnitz  terrassenförmig  angelegt wurde. Die Schule rechts wurde 1910 erbaut und bestand einst aus zwei Schulgebäuden, zum einen die  Goethe-  und zum anderen die Schillerschule. Jungs und Mädchen wurden getrennt unterrichtet. Heute heißt die  Gesamtschule  „Goethegymnasium“.

 Mittlerweile haben wir die Endstelle Bernsdorf erreicht. Hier befindet  sich  die  ehemalige Tanzgaststätte „Silbersaal“, welche viele Jahre  geschlossen  und dem Verfall preisgegeben war. 2013 begann aber die Restaurierung. An dieser Endstelle befindet sich das Sommerbad Bernsdorf. Die Endstelle hat, ebenso wie in Gablenz, ein neues Endstellengebäude im Dezember 2017 erhalten.  Von hier aus geht es nun wieder zurück in die Innenstadt und damit haben wir fast die gesamte Straßenbahnstrecke abgefahren. Es fehlt nur noch ein  kleines Stück  in  Schönau, auf das ich jetzt noch zu sprechen komme.

 Nachdem  wir  ab  der  Kappler  Drehe  wieder  auf  unserem eigenen Streckenabschnitt gefahren sind, erreichen  wir  unser  Straßenbahndepot Kappel auf der linken Seite.  Da wir  aber nicht nach links einrücken können,  muss  man noch über Schönau „ringeln“. Dadurch  kommen  wir  auch  an  der  Brauerei „Braustolz“ Kappel vorbei, welche es seit 1868 gibt. Früher trug sie den Namen „Feldschlösschen-Brauerei“,  bekam aber 1991 Namensverbot durch das  Landgericht Dresden, da es in Dresden eine Brauerei gleichen Namens gab.  Es bestand die Gefahr der Verwechslung! Man  sollte  aber wissen, dass die Dresdner Brauerei erst 1872 gegründet wurde, also vier Jahre später als die in Kappel! Leider wurde diese "Brauerei mit Tradition" Ende 2017 still gelegt bzw. nach Plauen zur Sternquellbrauerei verlegt.

 Beim Überqueren der Guerickestraße fallen zwei Dinge auf, zum  einen  die einzige Halbschranke im  Straßenbahnnetz  von Chemnitz  und zum anderen  ein  Reststück  Schmalspurgleis  vom  Wendedreieck  für  Einsatzzüge. Diese Bahnen fuhren  im  Berufsverkehr zur Verstärkung  der  Linie 3.  Außerdem  war  der weitere Streckenverlauf bis nach Siegmar  ab  hier  nur  noch  eingleisig ausgelegt  und eine kürzere Wagenfolge dadurch nicht möglich. Von hier aus kommt man auch in das Messezentrum von Chemnitz, welches sich auf dem ehemaligen Gelände der Wandererwerke,  später  ab 1948  VEB Industriewerk,  befindet. In diesem Betrieb wurden früher u.a. Fahrzeuge und Flugzeugmotoren gebaut. Bekannt wurden die Wandererwerke auch durch die Gründung der  Autounion.  Die  Unternehmen von Audi, DKW, Horch und Wanderer  wurden rückwirkend 1931 in  das Handelsregister eingetragen. Heute erinnern noch die vier verschlungenen Ringe von Audi an diese Union.

 Nun haben wir die Endstelle Schönau erreicht. Von hier aus fahren  nur  noch  Busse  in westlicher Richtung. Wir  fahren nun auf dem Überholgleis an der wartenden Variobahn vorbei und rücken wieder  in das Straßenbahnmuseum Kappel ein.

 Damit  ist  unsere  Sonderfahrt auf den Schienen  von  Chemnitz beendet. Dabei haben wir immerhin eine Strecke von ca. 40 km abgefahren und sicherlich eine ganze Menge altes  und neues Sehenswertes entdeckt. Sicherlich gäbe  es  noch sehr  viel  mehr zu erzählen, aber das sollten Sie vielleicht selbst einmal entdecken.  Wir  hoffen, wir haben Ihnen ein kleines bisschen Appetit darauf gemacht. Vielleicht  können wir  Sie mit Ihrer Familie oder mit Ihren Bekannten in unserem Straßenbahnmuseum  begrüßen, wir  würden  uns  darüber  freuen. Bis dahin vielen Dank für Ihr Interesse. Im Namen der Arbeitsgemeinschaft Straßenbahnfreunde Chemnitz e.V.

                                                                                                                         Ihr Schaffner Gunter Richter