Rundfahrt durch Chemnitz mit der Straßenbahn    (Die etwas andere Stadtrundfahrt, Stand am 20.12.2013)  

(Auch als aktualisiertes, gebundenes Heft erhältlich)

Die Fahrt vom Straßenbahndepot Kappel in Richtung Stadtzentrum führt uns zunächst auf  einem  eigenen  Gleisabschnitt bis zur  "Kappler Drehe".  Nach wenigen  Metern geht es  vorbei  am ehemaligen Klubhaus  "Fritz Heckert",  dem  späteren  "Kraftwerk". Erbaut 1886  war dieses Gebäude das Gasthaus "Colosseum", das bis 1901 zum Dorf  Kappel gehörte. Der Verein "Volkshaus" erwarb 1904 das Objekt und errichtete daneben einen Neubau, der 1909 eröffnet und von der SPD und Gewerkschaften genutzt wurde. Nach 1945 diente das Haus "Einheit" dann als Klubhaus der Jugend und Sportler sowie u.a. als Trainingsstätte für das Ensemble Junger Talente sowie des Tanzkreises "Orchidee" der Tanzschule Köhler/Schimmel. Nach der Wende fanden noch zahlreiche Veranstaltungen statt, seit 2002 steht das Gebäude leer und wartet auf seine Wiederverwendung. 2012 wurde ein Teil des Gebäudekomplexes durch ein Feuer zerstört.

Nun haben wir die so genannte" Kappler Drehe" erreicht, eine S-Kurve, die es so noch nicht immer gegeben hat. Bis zum Jahre 1812  ist  der  Straßenverkehr  durch  Kappel am Bachgrund verlaufen und mündete  etwa in Höhe des heutigen Hauses 178 in die Zwickauer Straße. Der jetzige  Verlauf  ist zur Zeit  des  Durchmarsches  der  französischen Truppen, auf ihrer Flucht westwärts, im März 1812 entstanden. Im Frühjahr war der Bachgrund  durch  Hochwasser  unpassierbar  geworden  und  ca. 150.000  Soldaten,  mit zahlreichen Geschützen und großem Wagenpark,  haben  sich über südlich vorhandene Fuß- und Feldwege einen neuen Weg gebahnt. (1)

Mittlerweile haben wir den eigenen Streckenabschnitt  verlassen  und  fahren  auf  die  Zwickauer Straße.  Auf  der rechten Seite sehen wir das neue Industriemuseum von Chemnitz. In der ehemaligen Gießerei Schubert & Salzer bzw. der späteren Gießerei "Rudolf Harlass" wurde 1982 die Produktion eingestellt. Die Haupthallen entstanden 1907. Lange  Zeit stand das Gebäude leer und man hatte sich entschlossen,  es zu sprengen und abzureisen. Die Sprenglöcher waren schon  gebohrt,  als  man  an den  Wänden Gemälde entdeckte,  welche  die  Arbeit der Gießer darstellte. Da man sowieso  ein neues,  größeres Gebäude  als  Industriemuseum  suchte, beschlossen die Stadtväter, diese ehemalige  Gießerei  dazu  auszubauen.  2003  war  dann  die feierliche Übergabe. Die Sprenglöcher kann man heute noch im Dampfmaschinenraum sehen.

Gegenüber dieser Gießerei befand sich einst die Göritz-Textilfabrik, später dann der VEB Strickmode Oberlungwitz "Sporett", Betriebsteil 4. Das Gebäude entstand im Jahr 1882 und beherbergte die Strumpfwarenfabrig Sigmund Göritz an der Zwickauer-, Ecke Ulmenstraße. 1911 errichtete man  an der Zwickauer Straße einen 4-geschossigen Stahlbetonbau. Der Firmensitz wurde 1920 nach Berlin verlegt, von dem Architekten und Maler Prof. Hans Pölzig entworfen, entstand ein Erweiterungsbau. Im Volksmund hieß dieser dann nach der Fertigstellung 1926  "Pölzig-Areal". Nach 1937 verlässt die Familie Göritz Deutschland und der Betrieb wird in Venus-Werke umbenannt. Nach 1945 wurde er später der VEB "Trikotagenwerke Ideal" bevor dann 1965 der VEB Strickmode Oberlungwitz "Sporett" einzog.  Produziert wurden vor allem Freizeit- und Bademoden. 1991 hat man die Produktion eingestellt. Nach vielen Jahren Leerstand auch des Erweiterungsbau's eröffnete im Februar 2013 der Motorradhersteller Harley Davidson im Erdgeschoss und der Hälfte der 1. Etage seinen Verkauf und in den anderen Räumen zog das Kunst- und Auktionshaus Heickmann ein.

Weiter geht  die  Fahrt  Richtung Stadtzentrum, vorbei an neu angesiedelten, kleineren Unternehmen.  Auf der linken Seite sieht man eine mittlerweile fertig aufgebaute ehemalige Altlutherische Dreieinigkeits-Holzkirche, welche der bei der Bombardierung von Chemnitz abgebrannten Originalkirche an der Kaßbergstraße als Notkirche diente. Diese wurde von amerikanischen Christen 1949 in Fertigteilbauweise geschenkt, während im Nachbargrundstück die kaputte Kirche neu aufgebaut wurde. Bis zu deren Fertigstellung 1979 wurden die Gottesdienste in dem Holzbau abgehalten. Danach stand sie viele Jahre leer, sollte verkauft werden und die Holzteile wurden dann von 2009 bis 2012  eingelagert. 2014 baute der neue Besitzer diese Kirche zu einem Restaurant um.

An  der  Goethestraße  sehen  wir  schon von weitem ein  Fabrikgebäude  aus roten und gelben Ziegeln, welches einst die Strumpfwarenfabrik  Esche beherbergte.  1886 zog der Unternehmer, Herr Esche, von Limbach-Oberfrohna  hierher  nach  Chemnitz,  und das aus gutem Grund.  1858  entstand  hier die Eisenbahnstrecke Chemnitz - Zwickau und deshalb erhielt dieser Betrieb die Möglichkeit eines Gleisanschlusses. Dadurch bedingt war Herr Esche  in  der Lage, seine  Ware noch schneller und einfacher in die ganze Welt zu versenden.  Erhalten  geblieben  von seinem  Betrieb ist  nur dieses und ein Nachbargebäude.  Ersteres wurde 1945 durch einen Bombentreffer  erheblich beschädigt . Viele Jahrzehnte  lang  stand dieser Betriebsteil ab der zweiten Etage als Ruine da, bevor er 1996 restauriert wurde und  heute  u.a. ein Ärztehaus beherbergt.  Übrigens - der ehemalige Gleisanschluss diente lange Zeit als Container- bzw. Kohlebahnhof.

Direkt neben diesem Fabrikgebäude sieht man heute einen Parkplatz mit einem Fast-Food Restaurant und einer Autowerkstatt.  An dieser Stelle befand sich einst  eine Gasanstalt, welche einen Teil der Chemnitzer Gasbeleuchtung  versorgte.  Ältere Einwohner erinnern sich auch heute noch daran, das sich auf  diesem Gelände auch die Desinfektionsanstalt befand, im Volksmund "Entlausungsanstalt" genannt.

Interessant  das  nächste  Gebäude auf der rechten Seite - die erste Hochgarage in  Chemnitz, die Zweite in ganz Deutschland. Sie wurde 1926 aus Parkplatznot  heraus  erbaut  und konnte über zwei  Fahrstühle auf  6 Etagen bis zu 400 Fahrzeuge aufnehmen. Heute befindet sich ein Möbelladen in diesem Gebäude und am  29.11.2008  zog hier das Fahrzeugmuseum ein, welches sich bis dahin im Wasserschloss Klaffenbach befand. Das interessante an diesem Gebäude ist, das es mit der Rückseite zur Zwickauer Straße zeigt.  Die Ursache liegt darin, dass einst der "Walkgraben", der unmittelbar an der Bahnstrecke verlief, als Hauptstraße geplant war. Diese  Idee  zerschlug  sich  aber  und  die Zwickauer Straße wurde in ihrem heutigen Verlauf ausgebaut. Aber da stand die Garage bereits und somit ist die eigentliche Vorderfront auf der heutigen  Rückseite  des  Gebäudes zu finden.

Auf der rechten Seite der Kreuzung Zwickauer-  /  Reichsstraße steht  das  Empfangsgebäude des Bahnhofs  Mitte,  ehemaliger  Nikolaibahnhof. Dieser  Bahnhof  entstand  mit dem Neubau der Strecke Chemnitz - Zwickau  im Jahr 1958 . Zum damaligen Zeitpunk wurden die Gleisanlagen noch ebenerdig geführt. Dies änderte sich,  als die  kreuzenden Straßen ausgebaut  und die  schienengleichen  Übergänge   beseitigt  wurden.  Dies  geschah  durch  Hochlegung  der  Strecke Chemnitz - Kappel 1898. Seitdem  befinden sich die Bahnsteige des Bahnhofs Mitte in Blickhöhe der Dächer des Empfangsgebäudes. Das Gebäude des ehem. Metallbauhandels wird z.Zt. teilweise ausgebaut und daneben entsteht ein Fast-Foot-Restaurant (Dez. 2013).

Weiter geht die Fahrt in Richtung  Falkeplatz.  Dabei  passieren wir das ehemalige Volkstheater "Metropol", in dem sich heute ein Kino gleichen Namens befindet. Es wurde 1913 als Variete-Theater eröffnet, war von 1928 bis 1829 Casino mit Tanz und Modenschauen und diente dann ab 1932 als Filmpalast. Es verfügte einst über 600 Sitzplätze. Heute dient es als "Billigkino" und es befinden sich noch 7 Wohnungen in dem Gebäude. Auf der gegenüber liegenden  Seite  an  der  Zwickauer Straße  stand einst das "Centraltheater", eine 1902 im Jugendstil errichtete,  sehr  beliebte  Volksbühne.  Es wurde  allerdings leider beim Bombenangriff am 5. März 1945  so stark  beschädigt,  dass  es  abgerissen werden musste.

Wir nähern uns nun immer mehr dem Falkeplatz. Zuvor jedoch fahren  wir am  2007 neu eröffneten Museum  Gunzenhauser   vorbei.  Dieses Museum  beherbergt  Gemälde aus der privaten  Kunstsammlung  von Herrn Dr. Alfred Gunzenhauser aus München, welche er für  eine  Dauerausstellung  der  Stadt  zur  Verfügung  stellte. Die  legendäre Sammlung umfasst  2.459  Werke bedeutender Künstler des  20. Jahrhunderts, darunter die weltweit  größte  Sammlung  von Werken Otto Dix'  im öffentlichen Besitz sowie Arbeiten von Jawlensky,  Kirchner,  Beckmann, Schmidt-Rottluff,  Baumeister und anderer  Künstlern. Das Gebäude selbst wurde 1930 als Hauptsitz der Sparkasse erbaut.

Mittlerweile haben wir den Falkeplatz  erreicht.  Noch  um 1900 war dies  die  Nikolaibrücke, eine schmale Brücke, über die man in das Nikolaiviertel gelangte. 1912 begann  man damit, diese Brücke zu verbreitern, um die Anbindung zum Stadtzentrum zu  verbessern.  Ab 1913 wurde außerdem der Chemnitzfluss auf eine Länge von  280 m  überdeckt. Ein Grund dafür war auch die Geruchsbelästigung durch den Fluss. Im Jahr 2008, hat man allerdings wieder damit begonnen, die Abdeckung  wegen Baufälligkeit  zu  öffnen und den  Fluss freizulegen. 2011 war diese Arbeit weitestgehend beendet.

1926 entstand das Gebäude der deutschen Bank, welches als einziges  den Bombenangriff  1945 überstanden hat und auch noch heute als Bank dient. Alle anderen Wohn- und  Geschäftshäuser  wurden  zerstört oder so sehr beschädigt, dass die Ruinen nach und nach abgerissen  werden mussten. Zu DDR-Zeiten, ab 1951, hieß der Platz „Fritz-Heckert-Platz“,  wurde  nach der Wende aber  wieder zurück benannt in „Falkeplatz“.

Wir biegen nun nach rechts in die  Bahnhofstraße ein und befahren  einen Streckenabschnitt, auf welchem bis zum 06. November 1988 die letzte Schmalspurstraßenbahn gefahren ist. Es handelte  sich dabei  um  die  Linie 3 nach Rottluff. Nach der Einmündung Annaberger Straße haben wir das Stadtzentrum erreicht. Schon  von weitem  sieht  man auf der rechten Seite das Bürgerverwaltungszentrum, welches auf  dem  ehemaligen  Buswendeplatz des Nahverkehrs Karl-Marx-Stadt steht und Bestandteil  des  Moritzhofgebäudes  ist.  Die Bauzeit dauerte von 1996 bis 1998.  Inmitten  der Bahnhofstraße  befinden  sich  die zwei  Einfahrten zum  Parkhochhaus  „Galeria Kaufhof“  und  zur  Tiefgarage „Moritzhof“. Diese Einfahrten wurden so  großzügig gebaut, da sich der gesamte Lieferverkehr unterirdisch abwickelt.

Wir  fahren  weiter  an der Bahnhofstraße entlang und erreichen die Zentralhaltestelle. Auf der  gegenüberliegenden Seite befindet sich das  Kulturkaufhaus   „DasTietz“, welches  im Oktober 2004 eröffnet wurde. In  diesem ehemaligen  Kaufhaus befinden  sich heute kulturelle  Einrichtungen  sowie  Geschäfte  und Gastronomie, so z.B  das Naturkundemuseum, die Stadtbibliothek, die Neue Sächsische Galerie sowie die Volkshochschule. Das Interessanteste ist allerdings der neue Standort des ca. 290-Millionen Jahre alten "Steinernen Waldes", eines der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Das  Kaufhaus  Tietz  wurde  im  Jahr 1913  eröffnet. Vorher  befand  es sich seit 1904 am Johannisplatz. Der damalige Auftraggeber und Besitzer war Hermann Tietz. In den Jahren 1926/27 erfolgte eine bauliche Veränderung, da sich der Altbau als zu klein  erwies.  In der Pogromnacht 1938 demolierten fanatisierte Nazi-Anhänger  das  Kaufhaus  und ermordeten den langjährigen Direktor Hermann Fürstenberg.

Durch den Bombenangriff am 5. März 1945 wurde das Gebäude schwer beschädigt. Von 1958  bis  1963  erfolgte  die  Rekonstruktion  des ehemaligen  Warenhauses  Tietz.  Gemeinsam  mit  „Schocken“  firmierte das Gebäude ab 1965 unter CENTRUM-Warenhaus. Unmittelbar nach  der Wende  zog das  Warenhaus „Galeria Kaufhof“ in dieses Gebäude und  nach  dem  Neubau  am  Markt wurde es zum  heutigen  Kulturkaufhaus  umgebaut. Der ehemalige Besitzer HERmann TIEtz gab dem Kaufhaus auch den  Namen "HERTIE". Diese Kaufhauskette gibt es zwar mittlerweile nicht mehr, der Name HERTIE wird aber demnächst Online unter www.hertie.de auftauchen und u.a. Ware im Internet anbieten.

Wir verlassen  nun  die Zentralhaltestelle in Richtung Brückenstraße. Auf der linken Seite befand sich einst der Beckerplatz, benannt nach einem Industriellen und Wohltäter dieser Stadt. Einzig erhaltenes Gebäude von diesem ehem. Platz  ist ein  wunderschöner  Backsteinbau, in welchem sich einst die Sparkasse befand. 2012 wurde das Gebäude  restauriert und in den oberen Etagen entstanden attraktive Wohnungen.

Jetzt überqueren wir die  Einfahrt  zum Johannisplatz.  Dieser  war  einmal in  den 1920er Jahren der  verkehrsreichste Platz  von Chemnitz. In den 50er Jahren  hieß  er  kurzzeitig „Stalinplatz“. Als  die Ära Stalins  Geschichte war, erhielt er von 1967 - 2000 den Namen Posthof. 1953 fand  hier  im  Beisein  von  Otto Grotewohl,  Vorsitzender des  Ministerrates der DDR, die Umbenennung  von  Chemnitz  in  Karl-Marx-Stadt  statt.  2012  wurde  der  Johannisplatz neu gestaltet, das einzige erhaltene Bankgebäude  wurde  restauriert  und  Teile des ehemaligen Saxoniabrunnen, der einst auf dem Rossmarkt stand,  wurden restauriert,  erneut zu  einem  Brunnen  zusammengefügt und zieren seitdem den Platz. Die 3 Figuren Schmied, Spinnerin und Saxonia entstanden in einer polnischen Gießerei und wurden 2013 auf dem Sockel aufgesetzt. Ein großes Parkhaus wurde ebenfalls gebaut.

Nachdem wir die Haltestelle Brückenstraße erreicht haben, sehen wir auf  der gegenüberliegenden Straßenseite einen Parkplatz an der Einmündung Augustusburger Straße. Etwa an dieser Stelle stand nach 1945 bis 1975  der Sowjetpavillon,  ein  runder  Flachbau, auf dessen  Dach  ein großer, roter Stern  angebracht war.  Er  diente  u. a.  zu  Ausstellungs-zwecken  sowjetischer  und Karl-Marx-Städter Kunst.  Vor diesem Pavillon zweigten  einst zwei  Straßenbahnstrecken  ab, nach rechts die Linie 1 nach Gablenz über die  Augustusburger  Straße, und  über  die Dresdner  Straße  nach  links  die  Linie  7  zur  Leninstraße bzw. die Linie 8 nach Ebersdorf.

Weiter geht es nun nach  links  in  die  Brückenstraße, vorbei  am ehemaligen Kaufhaus „Schocken“. Am 15. Mai 1930 eröffnet, war es bis dahin die größte Filiale des Kaufhauskonzerns „Schocken KG a.A.". Es war eines  der  modernsten  Kaufhäuser von Deutschland. Die Kommanditgesellschaft auf Aktien zählte damalig rund  1000  Mitarbeiter.  Das Gebäude  wurde  nach  Plänen  des Stararchitekten  Erich  Mendelsohn  in  den  Jahren 1929 / 30  errichtet,  der  damit nach seiner eigenen Aussage seine reifste Leistung vollbrachte. Der  siebengeschossige  Eisenbeton-Etagenbau  ist  34 Meter  hoch,  gekrümmt und  horizontal  gegliedert.  Die Obergeschosse treten zurück. Für 3,5 Millionen Mark war ein  attraktives  Kaufhaus  mit  einer  Nutzfläche  von  15.000 Quadratmetern entstanden. Das  Besondere  neben  der  ungewöhnlichen  Architektur  waren  Rolltreppen  und Fahrstuhl. 1939 nannte sich das Kaufhaus  „Kaufstätte Merkur Chemnitz“. Mit seinem Warensortiment wurde „Schocken“ zu einem Einkaufsmagnet für die Chemnitzer. Bereits 1932 realisierte das Chemnitzer Kaufhaus einen Umsatz von 13.352.000 Mark. Als jüdisches Unternehmen war die Schocken KG a.A. mit der Errichtung der NS-Diktatur Anfeindungen und Drang-salierungen ausgesetzt. Es begann  mit  dem  Geschäftsboykott am 1. April 1933 und führte über die berüchtigten Nürnberger  Gesetze mit ihren drakonischen Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Juden im Jahre 1935 bis hin zum Pogrom der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938. Ab 9. Dezember 1938 firmiert das Unternehmen als Kaufstätte Merkur AG.

Das durch Kriegseinwirkungen 1945 stark beschädigte Kaufhaus nahm unmittelbar nach Kriegsende  seine  Tätigkeit  mit  190 Mitarbeitern wieder auf. Nach dem Volksentscheid vom 30. Juni 1946 wurde  es  in  Landeseigentum  überführt und zunächst dem Konsum als Entschädigung für  Eigentumsverluste  durch die NS-Herrschaft übergeben. Vom 15. Januar 1947 bis März  1947  befand sich hier zudem eine Tauschzentrale  der Volkssolidarität.  Am 15. November  1948  öffnete hier der erste „Freie Laden“ von Chemnitz und Umgebung, in dem Waren ohne Lebensmittel oder Bekleidungs-Punktkarte zu  beträchtlich  erhöhten  Preisen erworben werden konnten. Nach schritt- und  Etagenweisen  Umbau  übernahm  1952  die  HO  das   Haus  und  firmierte sich 1965 mit dem ehemaligen Kaufhaus „Tietz“ zum „CENTRUM- Warenhaus“.  Z.Zt.  wird dieses Gebäude umgebaut. In ihm soll einmal ein archäologisches Museum für Frühgeschichte einziehen.  Die  Bauarbeiten haben Ende 2009 begonnen und sind im Mai 2014 beendet.

Die Durchfahrt durch die Brückenstraße  mit  der Straßenbahn  ist  erst seit 1997 wieder möglich.  Diese Straße hat eine wechselhafte Geschichte vorzuweisen,  denn  nicht  nur ihr Verlauf, sondern  auch der Name wurde geändert. 1965 erhielt  sie  den Namen  „Karl-Marx-Allee“, hat aber nach der Wende ihren alten Namen zurückerhalten.

Wir fahren nun beim ehem. „McDonalds“ vorbei, welches Ende 2009 zur  ZH umgesiedelt ist.  Sehr  viele Bewohner dieser Stadt erinnern sich noch daran, das sich  einst  zu DDR-Zeiten in diesem  Gebäude  der IFA-Vertrieb, also das Autohaus von  Karl-Marx-Stadt befand.  Hier  konnte  der  mündige  DDR-Bürger  seine Bestellung für einen PKW abgeben, hatte aber damit zu rechnen,  10 bis  15 Jahre  auf  die Auslieferung warten zu müssen.

Wir verlassen die Brückenstraße und biegen nach links in die Fußgängerzone  der Straße der Nationen ein.  Vorbei  geht  es, wiederum  auf  der  rechten Seite, an zwei  markanten Gebäuden  der  Stadt,  zum  einen  die  Stadthalle und zum anderen das Hotel „Mercure“. Letzteres wurde im Jahr 1974 eröffnet und hieß damals Hotel  „Kongress“. Mit  93 Metern Höhe ist es das höchste Wohngebäude dieser Stadt.

Im gleichen Jahr entstand die Stadthalle,  welche über  einen großen  Saal  mit 1275 Sitzplätzen und einen kleinen  Saal  mit  670  Sitzplätzen  verfügt.  Die Chemnitzer Stadthalle wurde  vor  allem  durch zahlreiche Live-Übertragungen von  Unterhaltungssendungen im Fernsehen bekannt. Bei der  äußeren  Gestaltung dieser beiden Häuser ließ der Architekt den Bezug der Stadt zur Maschinenbauindustrie einfließen. Dabei  soll das Hotel  symbolisch  eine Zahnradstange und die Stadthalle mit  ihrer sechseckigen Form eine Schraube darstellen. Ob das so stimmt, kann vom Verfasser aber nicht belegt werden.

Nach  wenigen Metern erreichen wir den „Roten Turm“. Vorher jedoch fahren wir über eine dunkel eingefärbte Pflasterreihe, welche vom Johannisplatz zum „Roten Turm“ führt. Diese stellt symbolisch den ehemaligen Verlauf der Stadtmauer dar.

Der „Rote Turm“ ist wohl das älteste  Bauwerk im Stadtgebiet von  Chemnitz  und  dadurch auch gleichzeitig  das Wahrzeichen der Stadt. Urkundlich  zwar  erst 1466  zum ersten mal erwähnt, spricht einiges dafür, dass er bereits  um 1200, also  nur wenige  Jahre  nach  der Stadtgründung  1165,   errichtet  wurde.  Er  war  Bestandteil  der  Stadtmauer  und  diente lange  Zeit  als Sitz der Gerichtsbarkeit. Später  wurde  er bis ins 19. Jahrhundert auch  als Gefängnis  genutzt.  Seinen  Namen erhielt  er vermutlich wegen seiner Färbung, wodurch er  sich von  den anderen  Befestigungstürmen unterschied. Zur Zeit wird daran gearbeitet, ihn  zur  Besichtigung  wieder  freizugeben. Hindernisse  dafür sind u.a. die Einhaltung der Brandbestimmungen  sowie  die  Tatsache,  dass sich nur max. 12 Personen  zur gleichen Zeit darin aufhalten dürfen.

Wir  verlassen  nun  die  Zentralhaltestelle und  biegen in Richtung Falkeplatz ab, um von da  aus  in Richtung  Hutholz zu fahren. Vom Falkeplatz biegen wir nach links in die Stollberger Straße ein.  Auf der  linken Seite, in der Schadestraße, sehen wir die neue Feuerwache,  die  sich einst am Neumarkt befand. Von Richard Möbius erbaut, wurde sie 1906 eingeweiht.  Bis  zum Jahr  1913 wurden die Löschfahrzeuge noch von Pferden gezogen. Dieses  Gebäude  ist  eines  der schönsten Zweckbauten von Chemnitz, leider aber auch das Tiefstgelegene der Stadt.  Dadurch  passierte es schon einige mal, das es bei  Hochwasser als Erstes unter Wasser stand.  Gott sei Dank  hat  man  aber  von einem geplanten Umzug auf den Hartmannplatz Abstand genommen.

Wir  fahren  nun  ein  ganzes  Stück  bergauf,  vorbei  am ehemaligen Nikolaiberg.  Links sieht man die einstigen Aufgänge zur Nikolaikirche, welche ebenfalls im II. Weltkrieg zerstört und dann abgetragen wurde. Kurz danach, auf der selben Seite, steht ein Gebäude, welches  bis  vor  kurzem noch das „Dorint“ - Hotel beherbergte.  Mittlerweile hat man es umgebaut und es befindet sich jetzt eine Senioren-Residenz darin.

Die  Fahrt  geht weiter, über den inneren  Stadtring den Kapellenberg  hinauf.  Damit  befahren wir den steilsten Abschnitt der Straßenbahn in Chemnitz mit max. 6,2 % Steigung. Zum Vergleich:  Die  Kaßbergauffahrt  hatte  einst  max. 6,4 %  und  die  Frankenberger Straße  am Hohlweg 6,5 %. Die Einmündung Frankenberger-/Lichtenauer Str. hatte immerhin 6,8 %.

Vorbei geht es auch an der neuen Synagoge, welche 2002 geweiht wurde.  Die  alte  Synagoge befand sich auf dem Kaßberg und wurde in der Reichskristallnacht 1938 zerstört. Seit dem Falkeplatz  fahren  wir auf der Gleisanlage der Linie 4,  welche  am  20.03.2004 eröffnet wurde.  Die Bauzeit betrug über 12 Jahre. Das kam daher,  da  es Probleme  bei der Streckenplanung  gab. Außerdem waren  Eigentumsverhältnisse  nicht geklärt. Wenn wir heute durch den geschützten Goetheplatz fahren, so war dies nicht immer so geplant. Eigentlich sollte die Strecke um den Platz herum geführt werden.   Aber aus Lärmschutzgründen  entschied man sich für die heutige, günstigere Variante.

Nach der Durchfahrt des Platzes geht die Fahrt weiter, vorbei an sehr schön restaurierten Neubauten.  Einst  war  die  Stollberger Straße eine  der  verkehrsreichsten dieser Stadt, aber  seit  dem   Neubau  der  Straßenbahn  fliest  der  größte  Straßenverkehr  über  die Zwickauer- und Neefestraße Richtung Westen.

Nicht  lange,  und  wir  haben die Haltestelle  Haydnstraße erreicht. Auf der rechten Seite steht  die  1963  in  „Valentina-Tereschkowa-Oberschule“  umbenannte, ehemalige  Polytechnische Oberschule, welche  2008 zum Teil geschlossen wurde.

Auf der linken  Seite  taucht, versteckt hinter Bäumen, die „Esche-Villa“ auf. Sie  gehörte einst  dem  Textil-Fabrikanten Herbert Eugen Esche. Die Villa Esche in Chemnitz ist  der erste  Bau, den der belgische Künstler Henry van de Velde auf deutschem Boden  1902/1903 errichtet. Der Zeit des Jugendstils entsprechend, entwarf der belgische  Architekt Henry  van de Velde  nicht  nur das Haus sondern auch den Park,  die  Inneneinrichtung, die  Möbel, das Geschirr und andere Gebrauchsgegenstände bis hin zur Pfeife des Bauherrn.  Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sind zwar Änderungen an dem Gebäude vorgenommen  worden, im Wesentlichen blieb es aber erhalten. Zunächst diente es den Sowjets als  Kommandantur, wurde dann von der DDR-Staatssicherheit genutzt und war ab  den  sechziger Jahren Schulungsstätte  der  Handwerkskammer.  Nach  der Wiedervereinigung  wurde  die  Villa 1990 auf die Bundesdenkmalschutzliste gesetzt.  Die Stadt Chemnitz  hat  die  leer  stehende Villa Esche  1998  erworben  und  hat sie bis zum Mai 2001  einschließlich  der  Gartenanlage so  weit  wie möglich in den Originalzustand zurückversetzt. (2)

Und weiter führt uns unsere Sonderfahrt in das Neubaugebiet, bis zur Haltestelle „Irkutsker Straße“.  Die  sich  dort  befindliche  Kaufhalle  wurde 1974 eröffnet und galt als die modernste  und  größte  des  Bezirkes  Karl-Marx-Stadt.  Das  Architekturkollektiv  erhielt  auch  später  für  diesen  Bau den  „Architekturpreis des  Bezirkes Karl-Marx-Stadt“. Im Jahr  2013 wurde diese Kaufhalle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Sehr schön, dass dabei der Schriftzug der alten Kaufhalle Wiederverwendung fand!

Nun fahren wir an einer Straße vorbei, die den Namen „Am Flughafen“  trägt.  Auch  die folgende  Haltestelle  heißt so, benannt  nach der Straße.  Ab  1926  befand  sich  hier wirklich einmal  ein  Flughafen. Dort, wo heute ein Ärztehaus steht, war einst der Beginn der  Start-  und  Landebahn.  Der  Flughafen  brachte  Chemnitz den direkten und indirekten Anschluss zu etwa 80 Städten und Zentren in Deutschland und Europa.  Dazu  gehörten  auch  die   „Bäderlinien“   nach  Karlsbad  und  Marienbad  sowie  der   Messe-Sonderflugverkehr. Nach  dem Krieg kamen dann die legendären Doppeldecker vom Typ „AN 2“  zum  Einsatz, teils für Linienflüge, u.a. nach Erfurt, Prag und Barth, sowie zu Rundflügen über  Karl-Marx-Stadt. Von 1963 bis 1974 verwendete die GST den  Flugplatz für  die  Sektionen  Segelflug, Motorflug und Fallschirmsport. Ab 1975 wurde das Gelände mit Wohnhäusern für das  Neubaugebiet „Fritz Heckert“ bebaut. Stehen geblieben ist nur das ehemalige  Flughafengebäude, an welchem wir gleich vorbeifahren werden.

Gleichzeitig  mit  dem  Flughafengebäude  nahm auch das Restaurant „Ikarus“ den Betrieb auf. Der erste Pächter Ernst Böhm war ebenfalls der Besitzer vom „Marmor-Palast“ an der Limbacher Straße.  Auf  unserer Weiterfahrt  entdecken  wir auf  beiden Seiten  viele  freie Flächen, auf  denen  bis  vor  kurzem  noch  Wohnblocks gestanden haben. Diese wurden „zurückgebaut“,  d.h. abgerissen. Von einst fast 100 000 Einwohnern, welche bis zur Wende  in  diesem  Neubaugebiet  wohnten,  sollen  in Zukunft nur noch knapp die Hälfte übrig bleiben.  Viele  bezeichnen  daher  dieses Wohngebiet als das Gebiet der „Warenhäuser“:  Da „waren Häuser“ und „da waren Häuser“ ...

Wir überqueren nun die Stollberger Straße und fahren auf der anderen, linken Seite weiter. Wenn  man nach  links  schaut, hat man einen sehr schönen Blick auf das  Vorerzgebirge.  Genau  aus  diesem  Grund gab es  bis  vor  kurzem  hier auch  eine  Gaststätte  mit  dem  Namen  „Heiterer Blick“. Heute erinnert nur noch der gleiche Name der Haltestelle daran.

Weiter geht es die Stollberger Straße entlang bis zur Haltestelle „Morgenleite“.  Hier befindet sich eine Zwischenschleife der Straßenbahn, welche größtenteils nur noch von uns bei Sonderfahrten genutzt wird.  Einst war  dies bis  1982 die Endstelle der Linie 5,  welche 1979 eröffnet  wurde.  Später ging es dann 3 Haltestellen weiter  bis zur heutigen Endstelle Hutholz. Bevor  wir  die  Endstelle  erreichen,  geht es noch an der ehemaligen, so genannten „Stadtmauer“ vorbei, ein Wohnblock, welcher einmal 330 m lang war. 2008 wurde ein Großteil von diesen  Wohnungen abgerissen. Auf dem frei gewordenen Gelände entstehen zur Zeit Einfamilienhäuser.

Wir haben nun die Endstelle „Hutholz“ der Linien 4 und 5 erreicht. 2007  fand ein  umfassender Umbau dieser Endstelle statt. Dabei wurde  nicht  nur  die Wenderichtung  geändert (die Bahnen wenden jetzt in Uhrzeigerrichtung), sondern es wurde dadurch auch die Möglichkeit geschaffen, auf kürzesten Weg in den Überland-Bus umzusteigen.  Außerdem  entstand  ein  neues Endstellengebäude mit Aufenthaltsraum, Toiletten und einer Verkaufseinrichtung.

Nach einem  kurzen  Aufenthalt verlassen  wir  nun die Endstelle und fahren zurück zur Zentralhaltestelle.  Diesmal benutzen wir allerdings die Strecke der Linie 5 über die  Annaberger Straße. Erneut an der Morgenleithe angekommen, biegen wir nach rechts ab.  Wir  befahren den  bis zum Neubau der Linie 4 steilsten Streckenabschnitt, der mit  5,7 %  zu Buche steht.  Auf  der linken Seite taucht das  1999  eröffnete  Einkaufs-Center  „VITA“  auf.  Es  sollte vor  allem  für die Bewohner des Wohngebietes da sein, da bis dahin alle  anderen  großen  Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese errichtet wurden, so z.B. das Chemnitz-Center Röhrsdorf  und der  Neefepark.

An der nächsten  Haltesstelle „Robert-Siewert-Straße“  gab es für unsere Bahn eine Besonderheit, eine so genannte Zwangshaltestelle. Jede Bahn, die hier normalerweise nicht planmäßig anhalten muss, hatte kurz zu stoppen. Der Fahrer überprüfte nach einer sehr langen Gefällestrecke und vor einer  fast  90 °-Kurve die Funktionstüchtigkeit seiner Bremsen. War alles  in  Ordnung,  konnte  er weiter  fahren.  Dieser  Zwangshalt  wurde 2008 aufgehoben. Nachdem wir festgestellt hatten, dass alle Bremsen vorschriftsmäßig funktionieren,  setzten wir unsere Sonderfahrt  fort.   Nach  dem  Passieren  der  scharfen Rechtskurve fahren  wir nun direkt neben dem Südring entlang.  Diese  Autostraße  verbindet  z.Zt.  die  Zwickauer bzw. Neefestraße mit der Augustusburger Straße. Für die Zukunft ist geplant, diese Verbindung noch zu erweitern.

Bevor wir nun die Annaberger Straße erreichen, fahren wir über eine Brücke, unter welcher der Chemnitzfluß fließt sowie die ehemalige Eisenbahnstrecke nach Stollberg entlang führt. Diese  wird  allerdings nur noch für gelegentliche Güterzugfahrten genutzt, da es  ja mittlerweile die City-Bahn gibt. Aber darauf komme ich gleich zurück.

Wir biegen nun auf  die  Annaberger Straße ein und fahren  zunächst  ein Stück stadtwärts. Vorbei geht es an der Michaeliskirche, welche  zum Ortsteil  Altchemnitz  gehört, sowie am neu überholtem Polizeirevier Süd.  An  der Scheffelstraße  angekommen, wenden  wir über die Uhlestraße, um noch einen Abstecher zur Endstelle Altchemnitz  zu  machen.  Diese ist soweit interessant, da dort die Überlandtrasse der City-Bahn beginnt.  Und das gibt  mir die Gelegenheit, etwas zum Thema City-Bahn zu erzählen.

Am 15.12.2002  wurde  die  neue Pilotstrecke  der City-Bahn zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Stollberg in Betrieb genommen. Ohne Umsteigen können Fahrgäste auf dieser  Strecke  mit  modernen, Niederflur-Variobahnen werktags aller 30 Minuten bequem ihr Ziel erreichen.  Dieses Chemnitzer  Modell  hat sich so sehr bewährt, dass sich eine Erweiterung geradezu anbietet. Mit der geplanten Umgestaltung des Chemnitzer Hauptbahnhofes wird ein weiterer Schritt zur  Umsetzung  des  Chemnitzer Modells  anvisiert.  So sollen die Gleise die Chemnitzer Straßenbahn und die Citybahn durch den  Kopfbahnhof  hindurchführen. Vorgesehen  sind dafür die Gleise 1-4. Dadurch findet eine Verknüpfung zwischen Straßenbahn  und  Eisenbahn statt und die Fahrgäste können  in Zukunft von  Burgstädt, Flöha,  Mittweida  und Hainichen ohne Umsteigen  bis ins  Chemnitzer Stadtzentrum fahren.  Als  Fahrzeuge  werden so genannte Hybrid-Fahrzeug zum Einsatz kommen. (3) Übrigens - die  Fahrer  der City-Bahn müssen für Beides  eine  Ausbildung  haben,  zum  einen  als  Straßenbahnfahrer und zum anderen als Regionalzugführer.

 

2010/11 hat man mit dem Umbau des  Hauptbahnhofes  begonnen.  Außerdem  wurde  die Straßenbahntrasse auf der Straße der  Nationen  bis  zur  Einmündung  der  Heinrich-Zille-Straße  ausgebaut  und  biegt  dort  nach  rechts in Richtung Hauptbahnhof ein. Die Durchfahrt durch die Georgstraße ist dadurch  weggefallen. Am 18.02. 2013 war dann die offizielle Eröffnung der Einfahrt in den hinteren Teil des Hauptbahnhofes und damit des ersten Teilabschnittes.

Doch nun zurück zur Straßenbahnlinie nach  Altchemnitz.  Heute  fährt  im Wechsel mit der City-Bahn die Linie 6 bis zur Endstelle. Doch  das war nicht immer so. 1904 endete hier die Linie A und ab 1927 die Linie 5 (ehem. A) und die  Linie 6 (ehem. Z). 1929  wurde dann die Linie 6 eingestellt. Ab 1959 begann man in Altchemnitz  mit der Umspurung auf Regelspur. Das ging Etappenweise vor sich und die Fahrgäste mussten, um in die  Stadt  zu kommen, zweimal umsteigen. Es wurden die so genannten ABC Fahrscheine  eingeführt -  Schein A für die  fertige  Regelspur, Fahrschein B für den Schienenersatzverkehr und  Fahrschein C für den letzten Abschnitt Schmalspurstrecke bis zur  Poststraße.  Gleichzeitig  mit  der Umspurung begann auch der Aus- und  Neubau  des Betriebshofes  Altchemnitz,  später Bahnhof der DSF (Deutsch-Sowjetische-Freundschaft).  Von  1976  bis  1979  fuhren die Linie 6  (von Gablenz)  und  die  Linie 5  (vom Hauptbahnhof) nach Altchemnitz, ab 1979 nur noch die Linie 6, da die Linie 5 von da an in das Wohngebiet Fritz-Heckert fuhr.

Doch genug der Zahlen. Fahren wir nun in Richtung Stadtzentrum.  Auf der rechten  Seite,  kurz  nach  der  Hst.  „Schneeberger Straße“   sehen  wir  das  Einkaufzentrum   „Altchemnitz-Center“.  Dies  war einst  das  erste Großobjekt in Chemnitz nach der Wende. Erneut  fahren  wir  über  die  Scheffelstraße und vorbei am ehemaligen Betriebshof  Altchemnitz. Hier rückten einst alle Regelspurfahrzeuge ein bzw. aus. Diese Anlage wurde 1900 angelegt, die alte Wagenhalle  (heute Selbsthilfe-Werkstatt)  hat man  1927 erbaut. Später wurde sie von 1963  bis  2000  als  Buswerkstatt  genutzt.  Direkt  an   der  Annaberger Straße befand sich die Wasch- und Werkstatthalle sowie Speisesaal, Verwaltung und Einsatzleitung.  Mit  dem Neubau des  Betriebshofes Adelsberg  1995  wurden Teile des Bahnhofs der DSF nach und nach stillgelegt bzw. Gebäudeteile  vermietet,  die Leitstelle zog auf die Werner-Seelenbinder-Straße (Busabstellplatz) und seit   2000  wurden die Abstellgleise nur noch in geringen Umfang als Abstellanlage genutzt.  2011  hat man 10 neue Abstellgleise  geschaffen, um damit die längeren Wege nach Adelsberg zu verringern. 

An der Haltestelle „Erdmannsdorfer Straße“ sehen wir auf der linken Seite  die  ehemalige Gießerei Richter. In diesem Gebäude befand sich nach der Wende eine Zeit  lang das Industriemuseum, bevor es aus Platzmangel  nach  Kappel  umgezogen ist.  Ein paar Meter weiter verfällt ein Gebäude,  in welchem  sich einmal  die sehr beliebte  Gaststätte  „Zum Forsthaus“  befand.

Nachdem  wir unter  einer   Eisenbahnbrücke  hindurch  gefahren  sind, tauchen  auf  der linken  Seite  die Gebäude  der „Agentur für Arbeit“  auf.  Das  linke Gebäude wurde 1997 gebaut, erwies  sich aber  als zu  klein  und  so  entstand  das  gegenüberliegende  Haus 1998  noch zusätzlich.  Zuvor  befand  sich  das Arbeitsamt  auf der Brückenstrasse links hinter dem Karl-Marx-Kopf.

Auf  unserer  weiteren  Fahrt  kommen  wir nun  des   Öfteren  an  ehemaligen  Fabrikgebäuden vorbei, in welchen zu DDR-Zeiten  tausende von Beschäftigten gearbeitet haben und die heute zum größten Teil stillgelegt  und dem Verfall preisgegeben sind oder in denen sich kleinere  Firmen   angesiedelt  haben.  So  z.B.  der    VEB Nadel- und Platinenfabrik, das Buchungsmaschinenwerk ASTRA sowie der VEB Spinnereimaschinenbau.

Kurz bevor wir den 4-gleisigen  Eisenbahnviadukt durchfahren, sehen wir auf der rechten Seite  den  ehemaligen VEB  Wirkmaschinenbau, vorm. Schubert und Salzer. Dieser Betrieb  war  einer  von  insgesamt fünf  Einzelwerken  der Firma. In ihr wurden  u.a.  Schiffchenstickmaschinen,  Wirkmaschinen,  Tüllmaschinen  usw.  hergestellt.   Heute werden  die meisten Gebäude von den verschiedensten Unternehmen  genutzt, angefangen vom  Zahnarzt bis hin zum Steuerberater.

Kommen wir nun  zu  der bereits erwähnten Brücke. Die  „Appolo-Brücke“  ist der längste Eisenbahnviadukt von  Chemnitz mit einer Länge von ca. 200 m. Sie wurde von 1906 bis 1909 erbaut und  ist  für 4  Gleise ausgelegt, allerdings sind z.Zt. nur 2 Gleise vorhanden. Da dieser Viadukt unter  Denkmalschutz steht, waren in den letzten Jahren verschiedene Projekte im Gespräch - man wollte u.a.  die  Brücke  durch einen  Betonneubau ersetzen, eine Restaurierung  war und ist  z.Zt. aber auch im Gespräch. Egal, wofür man sich auch entscheidet,  die Zeit drängt,  denn die Züge dürfen aus Sicherheitsgründen  im Moment nur mit max. 30 h/km darüber fahren.

Wir überqueren mittlerweile bereits zum dritten mal den inneren Stadtring. Da wir so wie die Linie 5 fahren wollen, biegen wir nach rechts in die Annenstraße ein. Gegenüber der Annenschule befinden sich, ebenso wie in der Reitbahn-, Bernsdorfer und  Moritzstraße, die  ersten  Nachkriegs-Neubauten.  Nach  ersten  Probebauten an der Heinrich-Schütz-Straße wurden diese Häuser aus Materialmangel  in  der so genannten Gewölbetechnik erbaut, d.h.,  da  es  keine  Träger,  weder aus Holz, Stahl noch Beton gab, griff man auf diese Bauweise  der  selbsttragenden Decken zurück. Diese Methode kam ab 1948 bzw. 1950 zum Einsatz. Auch heute befinden sich diese damals heiß  begehrten  Wohnungen noch in diesem Zustand. Wir  fahren nun durch  die  Reitbahnstraße in Richtung Zentralhaltestelle, vorbei an nur noch  wenigen Geschäften, die eine lange Tradition  aufzuweisen haben. Zu erwähnen wären da die Buchhandlung Müller, der „Hut-Förster“  und  der  „Farben-März“. Außerdem befand sich zu DDR-Zeiten auf der  rechten  Seite  ein Geschäft für Heimwerkerbedarf, der so genannte „Schlauch“. Zur Zeit der  Umspurung um 1967 führten einst 4 Gleise nebeneinander durch diese Straße. 2 Gleise gehörten der  Schmalspurbahn nach Bernsdorf und 2 der Regelspur  nach Altchemnitz. 1968  begann die Umspurung  der Linien 3 und 4 und nach Bernsdorf wurde Schienenersatzverkehr  eingesetzt.  Aber darauf komme  ich  später  zurück.  Zunächst  fahren  wir  erst  einmal  durch  das Stadtzentrum in Richtung Hauptbahnhof.

Von der Brückenstraße  biegen  wir  diesmal  nach  rechts in die Straße der Nationen ein. Vorbei geht es an zahlreichen, nach dem Krieg entstandenen Wohnhäusern  und  Läden. Diese entstanden in der so genannten Kammbauweise - die Wohnbauten sind die Zinken und die  Geschäfte der Steg des Kammes. Die Vorbilder dazu stammen aus Frankfurt am Main.  Alle  noch  erhaltenen  Altbauten  der ehemaligen Königstraße mussten nach dem Krieg  diesen  Neubauten  weichen.  Viele  ältere  Einwohner  von Chemnitz erinnern sich dabei sicherlich noch an solche Einrichtungen wie das Zeitkino, das  „Cafe Michaelis“ sowie das „Hotel Herrmann“. Heute stehen dort solche markanten Gebäude wie das  „Hotel Europa“ (ehem. Interhotel „Moskau“) und die IHK.

Wir biegen nach rechts ab in die Carolastraße. Auf  der  linken Seite  ist  ein  einstöckiger Bau, in welchem sich vor der Wende das „Gastmahl des Meeres“  sowie  ein  Delikat-Geschäft  befanden.  In solchen  Läden  konnte  der  DDR-Bürger für  viel Geld Lebensmittel kaufen, die er in anderen Läden nicht oder nicht in dieser Qualität  erhalten hat. Nur wenige Meter weiter auf der rechten Seite steht das Medien-Haus,  in dem sich die Rundfunk- und Fernseh-Regionalsenderstudios befinden. Einst  war  in  diesem  Gebäude  die  Handelskammer untergebracht, erbaut wurde es 1912 nach Plänen von  Erich Basarke.

Schräg gegenüber ein Eckhaus, im Neogotischen Stil erbaut.  Dieses Gebäude  war einst die „Zimmermann'sche Villa“. Der Chemnitzer Unternehmer  Joh. Zimmermann  ließ 1866 dieses Gebäude am Hauptbahnhof mit dem Hintergedanken errichten, es dem damaligen König von Sachsen, König Albert, als Geschenk zu  machen. Auch wenn er sich nur  zeitweise in Chemnitz aufgehalten hätte, wäre dadurch vielleicht die Wirtschaft und der Tourismus angekurbelt worden. Als der König allerdings dankend  ablehnte, nutzte Herr  Zimmermann diese Villa für sich und seine Familie. Nachdem ein Anbau dieses Gebäude erweiterte, zog das „Hotel Carola“ 1884 in dieses Gebäude ein. Nach dem Krieg war  die sowjetische Militärkommandantur darin untergebracht, bevor es wieder Hotel wurde. 1988 wurde es dann geschlossen und war viele Jahre dem Verfall preisgegeben. Heute wurde mittlerweile  der Anbau  weggerissen und die Villa selbst restauriert. Anfang Dezember 2008 eröffnete dieses  Gebäude  wieder seine Pforten, nachdem es aufwändig  restauriert wurde. Seitdem wechselte der Besitzer mehrmals. Übrigens - im Keller des Gebäudes befand sich einst viele Jahre  lang  die  gut besuchte  Gaststätte „Zum Goldbroiler“.

Und  schon  sind  wir auf dem neu gebauten  Bahnhofsvorplatz  angekommen,  welcher 2006 freigegeben wurde.  Auf der rechten Seite des Platzes sieht man den ersten  Bahnhof von Chemnitz aus dem Jahr 1854.  Die Eröffnung der Strecke Riesa - Chemnitz fand allerdings schon im Jahr 1852 statt.  Der  neue  Hauptbahnhof  mit  Lichthof wurde  1872 eröffnet. Das  jetzige Aussehen erhielt der  Bahnhof 1975. Im Oktober 2008 begann man mit dem Umbau der Gleise 1 - 4. Hier werden in Zukunft  die Straßen-  und  die Citybahn in den Hauptbahnhof hineinfahren.  Gegenüber vom  Empfangsgebäude  sind noch zwei Gebäude zu  erwähnen:  Das ehemalige Haus der  Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft (DSF) und das ehemalige Hotel  Continental. Ersteres  wird  u.a.  als Gästehaus der  TU genutzt  und  das  „Continental“  erfuhr 1996  einen  fast  kompletten  Um-  bzw. Neubau. Lediglich der „Spiegelsaal“ blieb  original erhalten  und dient heute als Gaststätte mit Kabarett - das „Fresstheater“.

Bis  2011  führte  uns  der  Weg  zurück  zur  Zentralhaltestelle  gewissermaßen  um  das  Hauptgebäude der  Technischen  Universität  von  Chemnitz  herum. Erbaut  wurde es  von 1875 bis `77, der Architekt war Eduard  Theodor Böttcher. Früher hieß diese Einrichtung  zunächst   „Technische   Staatslehranstalt“,  ab 1953  „Technische Hochschule“  und  ab 1986 „Technische Universität“.

Wenn  wir  von  der  Georgstraße  kommend  links  in die Straße der Nationen  eingebogen  sind, erreichten wir den nördlichsten Punkt des  Chemnitzer  Straßenbahnnetzes. Nachdem  1975  die  Linien  9,  4  und  8 eingestellt bzw. durch Busse ersetzt wurden,  gab  es im  Norden von  Chemnitz  keine  Straßenbahnanbindung mehr. Aus genannten Gründen kann man heute nur  noch über die Carolastraße wieder zur ZH zurückfahren. Dadurch können nur  Zweirichtungswagen zum Einsatz kommen.

Und weiter ging  unsere Sonderfahrt vorbei am 1968 eröffneten Omnibusbahnhof und am 1860  angelegten  Schillerplatz. Auf der rechten Seite kommen wir nun am wohl  attraktivsten  Platz  der  Stadt  vorbei,  dem  Theaterplatz. Eingerahmt wird er von vier markanten Gebäuden -  das  Hotel   „Chemnitzer Hof“,  die Petrikirche  aus  dem Jahr 1888, das  König-Albert-Museum,  in  welchem  sich die  Chemnitzer  Kunstsammlung  befindet,  sowie das Chemnitzer Opernhaus. An der Stelle,   wo  1930  das  Hotel  errichtet wurde, befand sich bis dahin  ein Brunnen mit den aus Dresden stammenden Sandsteinfiguren  „Die vier Tageszeiten“.   Diese  haben  heute in den Parkanlagen  des Schlossteiches einen neuen Platz bekommen. Die Abgüsse  der Originale befinden sich an den Brühl'schen  Terassen in Dresden. Das  Museum  und  das Opernhaus wurden  von 1906 bis 1909 nach  Plänen des damaligen Stadtbaurates Richard Möbius errichtet. 1945 wurden die beiden Gebäude fast vollständig zerstört, aber bereits 1951 fand die feierliche Wiedereröffnung des Opernhauses statt. Nur kurze Zeit darauf kann  auch  das Museum wieder  besucht  werden, an dessen Vorderfront  sich der  „steinerne Wald“  befand.  Dieser  wiederum  hat  seit  2006 einen  neuen  Standort  im  Kulturkaufhaus „DasTietz“  an der Bahnhofstraße bekommen. Der älteste und erste Bau am damaligen Königsplatz war jedoch die Petrikirche.  Sie wurde  im  Jahr 1888  geweiht,  verfügt  über 1200 Sitzplätze  und hat einen 48 Meter  hohen Hauptturm.

Die Fahrt führt uns nun weiter und wir sehen rechts in der Brückenstraße das  Karl-Marx-Monument.  Dieses  Denkmal  wurde von Lew Kerbel in Leningrad bzw.  Moskau  erbaut, danach  in  über 70 Einzelteile zerlegt  und  nach  erneutem  Zusammenbau  1971 eingeweiht. Gleichzeitig entstand  hinter  dem Denkmal das Gebäude der  SED-Bezirksleitung, dessen Zick-Zack-Bau eine wehende Fahne symbolisiert. Außerdem befindet sich an der Gebäudefront direkt hinter dem Denkmal die Inschrift  „Proletarier  aller  Länder, vereinigt Euch“ in über einhundert Sprachen. Heute ist dieses Haus Sitz der  Oberfinanz-Direktion.

Von hier an geht es nun landwärts in Richtung Gablenz weiter. Dabei benutzen  wir einen Streckenabschnitt, der als Regelspur am 30.10. 1976  in Betrieb  genommen  wurde.  Bereits im April war die Schmalspurstrecke zur Eubaer Straße  stillgelegt  und  durch  Schienenersatzverkehr befahren worden. Während die Schmalspurbahn direkt auf der teilweise sehr  schmalen  Augustusburger  Straße  fuhr,  erhielt  die  neue  Strecke  einen   eigenen Gleiskörper, wodurch zahlreiche Häuser weichen mussten. Zu Beginn fuhr die Linie 6  nur bis  zur  Wendeschleife  Hans-Beimler-Straße,  später  dann  ab 1978 bis zur neuen  Endstelle Carl-von-Ossietzky-Straße.

Wir überqueren die Bahnhofstraße und vorbei am Gebäude der Stadtwerke AG durchfahren  wir  erneut  den  Eisenbahnviadukt,  den wir bereits zwei mal gekreuzt haben. An der nächsten Haltestelle „Tschaikowskistraße“ stand bis 1975 das Kino „Weiße Wand“.  Auch es musste der neuen Trasse weichen, war aber nach 1945 sowieso nur  ein  Provisorium. Es geht nun weiter über die Clausstraße  bis zur  Haltestelle  „Reineckerstraße“,  benannt nach dem Besitzer eines Großbetriebes  für  Maschinenbau,  der bis  1945 in diesem  Bereich seinen Standort hatte, aber durch gezielte Bombentreffer zerstört wurde. Da er nach dem  2. Weltkrieg 2000 Maschinen an die Sowjetunion  als  Reparation  abgeben  musste, konnte er die Produktion nicht wieder aufnehmen.

Erneut  taucht  auf  der linken Seite ein ehemaliges Kino auf. Das „Weltecho“ wurde  aber nach der Wende  geschlossen und nach vielen Jahren Umbau als christlicher Jugendclub „Arche“ wieder eröffnet.

Nachdem wir die Geibelstraße überquert haben, sehen wir  in  der  ehem.  Wendeschleife ein  Gleichrichter-Unterwerk,  welches  den  Fahrstrom  liefert.  Hier  werden  10 000  Volt Wechselstrom in 600 Volt Gleichstrom  umgewandelt und in  die  Fahrleitung  eingespeist. Es gibt  insgesamt 14 solcher Unterwerke in Chemnitz.  Das bedeutet, dass bei einer evtl. Störung  in  einem  bestimmten Streckenabschnitt in den anderen Bereichen weitergefahren werden kann.

Nicht mehr lange, und  wir haben die Endstelle erreicht. Zuvor jedoch fahren wir  noch am Pappelhain vorbei,  eine Grünanlage, welche der Haltestelle  und  einer  ehem. Gaststätte den gleichen  Namen gegeben hat. Mittlerweile jedoch gibt es weder die Gaststätte noch Pappeln auf dem Gelände.  Nach dem Krieg wurde dort  der Schutt der  Reineckerwerke aufgebracht  und Pappeln  darauf gepflanzt. Vor wenigen Jahren erkrankten leider  diese Bäume und mussten  alle  gefällt  werden. Der Name  „Pappelhain“  blieb  aber weiterhin erhalten.

Endstelle  Carl-von-Ossietzky-Straße. Hier wenden die Linien-Bahnen und fahren zurück ins Stadtzentrum.  Wir  allerdings  nicht, denn wir wollen die Gelegenheit nutzen, den Betriebshof Adelsberg zu besichtigen.

Am  17.12 1993  fand  in  Adelsberg  der symbolische  Baggeraushub  durch  den damaligen  Oberbürgermeister  Dr.  Seifert statt  und  am  24. 06.1994  die  Grundsteinlegung. Damit  war der Weg frei, um einen der modernsten Betriebshöfe  für  Schienenfahrzeuge entstehen zu lassen. Ein gutes Management, und wohl organisierte Zusammenarbeit aller beteiligten Unternehmen machten  bereits  im  September 1995  das  neue  Objekt  nutzungsfähig. Die  Idee  zu  diesem  Betriebshof  entstand  schon  in  den 70er Jahren. Dies war insofern notwendig,  da  die  Kapazität  des  einzigen  Betriebshofes  in  Altchemnitz schon  bald  überschritten war. Streckenneubauten und Aufstockung des  Fahrzeugparks verschärften  die  Situation, aber es dauerte trotzdem noch bis 1986, bis  ein  neuer  Entwurf für einen Betriebshof entstand. Nach der  politischen Wende entschied sich der Vorstand der CVAG  zu  einer Komplexlösung, d.h. Hauptsitz  des  Unternehmens,  Schwerpunktwerkstatt  und  Betriebshof  an  einem Ort unterzubringen. (4)

 

Der Betriebshof umfasst z.Zt. folgende Bereiche:

  - Sozial- und Verwaltungskomplex

  - Hauptwerkstatt

  - Betriebswerkstatt

  - Abstellhalle

  - Stromversorgung Gleisanlage

  - Unterflurradsatzprofiliermaschine

  - Waschanlage

Die  Betriebshofsteuerung  (Einsatzleiter)  ist  mittlerweile  auf die Werner-Seelenbinder-Straße umgezogen.

Wir verlassen nun wieder Gablenz und wollen von hier aus nach  Bernsdorf  fahren.  Da wir die Strecke  bis zur Zentralhaltestelle  ja schon kennen, können wir die Fahrt in Ruhe genießen. Ab der Haltestelle „Annenstraße“ geht es nun in Richtung Bernsdorf.  Ab 1893 fuhren die Schmalspurbahnen bis  zum  Rosenplatz,  ab  1894  bis  zur  Wartburgstraße. 1958  wurde an der Ulbrichtstraße ein Wendedreieck  eingerichtet. Noch heute  liegt  daher  in dieser Straße ein Stück  Schmalspurgleis.  Ab  Ende  1968   begann  man  mit der Umspurung  und  es wurde  Schienenersatzverkehr  eingerichtet.  Der  Regelspurbetrieb wurde  1972  aufgenommen.  Zunächst   ging  es  aber nur bis zur Wartburgstraße.  Das änderte  sich 1973,  als die Strecke bis Sommerbad  Bernsdorf verlängert wurde.  Ab sofort fuhr hier die Linie 2 und es kamen erstmals  die neu  gelieferten  Tatra-Beiwagen  im Großzug  zum  Einsatz.  Nachdem wir die Gustav-Freytag-Straße  überquert  haben,  sehen  wir  vor  uns  erneut  den Eisenbahnviadukt,  den  wir schon mehrmals  durchfahren haben.  Diese  Brücke  wurde 1972 im Zusammenhang mit der Neutrassierung  der Straßenbahn  neu  errichtet,  da  die Durchfahrtshöhe nicht ausreichte. Dies war das  einzige mal,  dass  so  etwas gemacht wurde,  denn sonst muss sich die Straßenbahntrasse dieser Höhe anpassen.

Wir  fahren  weiter  über die Lutherstraße und  sehen  auf der  linken  Seite  den  Rosenplatz und im Hintergrund die Lutherkirche, welche 1908  geweiht wurde. Auf dem Rosenplatz befindet sich  ein ehemaliger Bunker der Zivilverteidigung, der im Moment als Kneipe genutzt wird.

Seit der Überfahrt Lutherstraße bis  zum  Goethe-Gymnasium gibt es eine Besonderheit im Streckennetz - die Straßenbahn hat keinen eigenen Gleiskörper und fährt mit den anderen Verkehrsteilnehmern im gleichen Niveau An der Ecke der  Kreuzung Bernsdorfer- / Wartburgstraße gab es  einst  die Gaststätte „Barsika“, im Volksmund auch „Zur Träne“ bzw. „Erbschleichercasino“ genannt. Diese Bezeichnung kam daher,  da sich in unmittelbarer Nähe der Zentralfriedhof befindet und die Hinterbliebenen  sich  nach dem Trauerzeremoniell  in dieser Gaststätte getroffen haben.

Erneut auf der rechten Seite fahren wir an der Zwischenschleife mit einem  Gleichrichter-Unterwerk vorbei. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Park der DSF, der 1965  anlässlich  der  800-Jahrfeier von  Chemnitz  terassenförmig  angelegt  wurde. Die Schule rechts wurde 1910 erbaut und bestand einst aus zwei Schulgebäuden, zum einen die  Goethe-  und zum anderen die Schillerschule. Heute heißt die  Gesamtschule  „Goethegymnasium“.

Mittlerweile haben wir die Endstelle Bernsdorf erreicht. Hier befindet  sich  die  ehemalige Tanzgaststätte „Silbersaal“, welche aber schon seit vielen Jahren  geschlossen  und dem Verfall preisgegeben ist. Außerdem geht es hier zum Sommerbad Bernsdorf. Von hier aus geht es nun wieder zurück in die Innenstadt und damit haben wir fast die gesamte Straßenbahnstrecke abgefahren. Es fehlt nur noch ein  kleines Stück  in  Schönau, auf das ich jetzt noch zu sprechen komme.

Nachdem  wir  ab  der  Kappler  Drehe  wieder  auf  unserem  eigenen  Streckenabschnitt fahren, erreichen  wir  unser  Straßenbahndepot Kappel auf der linken Seite.  Da wir  aber nicht nach  links  einrücken können,  müssen  wir noch über Schönau  „ringeln“.  Dadurch kommen  wir  auch  an  der  Brauerei  „Braustolz“ Kappel vorbei, welche es seit 1868 gibt. Früher trug  sie den Namen  „Feldschlösschen-Brauerei“,  bekam aber 1991  Namensverbot  durch  das  Landgericht Dresden, da es in Dresden eine  Brauerei  gleichen  Namens gab.  Es bestand die Gefahr der Verwechslung. Man  sollte  aber wissen, dass die Dresdner Brauerei erst 1872 gegründet wurde, also vier Jahre später als die in Kappel!

Beim überqueren der Guerickestraße fallen zwei Dinge auf,  zum  einen  die einzige  Halbschranke im  Straßenbahnnetz  von Chemnitz und zum anderen  ein  Reststück  Schmalspurgleis  vom  Wendedreieck  für  Einsatzzüge. Diese Bahnen fuhren  im  Berufsverkehr zur Verstärkung  der  Linie 3. Außerdem war der weitere  Streckenverlauf bis  nach Siegmar  ab  hier  nur  noch  eingleisig ausgelegt  und eine kürzere Wagenfolge dadurch nicht möglich Von hier aus kommt man auch in das Messezentrum von Chemnitz, welches sich auf dem ehemaligen Gelände der Wandererwerke,  später  VEB  Industriewerk,  befindet. In diesem Betrieb wurden früher u.a. Fahrzeuge und Flugzeugmotoren  gebaut.  Bekannt wurden die Wandererwerke auch durch die Gründung der  Autounion.  Die  Unternehmen von Audi, DKW, Horch und Wanderer  wurden rückwirkend 1931 in  das Handelsregister eingetragen. Heute erinnern noch die 4 verschlungenen Ringe von Audi an diese Union.

Nun haben wir die Endstelle Schönau erreicht. Von hier  aus  fahren  nur  noch  Busse  in westlicher Richtung. Durch den Umbau der  Wendeschleife  in   Uhrzeigerrichtung  haben Fahrgäste sehr kurze Umsteigewege.  Eine  einst  geplante  Verlängerung  nach Siegmar bzw. Grüna der Straßenbahntrasse dürfte sich mittlerweile erledigt haben. Wir  fahren nun auf dem Überholgleis an der wartenden Variobahn vorbei und rücken wieder  in das Straßenbahnmuseum Kappel ein.

Damit  ist  unsere  Sonderfahrt auf den Schienen  von  Chemnitz  beendet. Dabei haben wir immerhin eine Strecke von ca. 40 km abgefahren  und  sicherlich  eine  ganze  Menge  altes   und neues Sehenswertes entdeckt. Sicherlich gäbe  es  noch sehr  viel  mehr zu erzählen, vor allem über die Gegenden, wo wir mit der  Straßenbahn nicht oder nicht mehr hinkommen, aber das sollten Sie vielleicht  selbst  einmal  entdecken.  Wir  hoffen, wir haben Ihnen ein kleines bisschen Appetit darauf gemacht. Vielleicht  können wir  Sie mit Ihrer Familie oder mit Ihren Bekannten in unserem Straßenbahnmuseum  begrüßen, wir  würden  uns  darüber  freuen. Bis dahin vielen Dank für Ihr Kommen. Im Namen der Arbeitsgemeinschaft Straßenbahnfreunde Chemnitz e.V.

 

Ihr Schaffner Gunter Richter